Ein Konzept für die Trauerseelsorge

„Wir alle“ in St. Birgid – ein neues Konzept für die Trauerseelsorge als nächster Schritt

Unsere Ausgangssituation, Vorbereitungen und Ziele

trauerpatoral-s2629Grundlage für unsere Überlegungen, ein neues Konzept in der Trauerpastoral auf den Weg bringen zu wollen, bilden einerseits das Kirchenbild des II. Vatikanischen Konzils, auf das sich auch die Bischöfe in ihrem Wort „Gemeinsam Kirche sein“ bezogen haben, und andererseits die Besinnung auf die Heilige Schrift und die vielen Charismen und Talente, die Gott uns Menschen schenkt.

In den letzten zwei Jahren haben wir uns als Pfarrei daran gemacht, uns intensiv mit den Überlegungen der „(lokalen) Kirchenentwicklung“ auseinanderzusetzen. Mit dem Umbau von Gemeindezentrum und Pfarrkirche und der Schaffung neuer Gemeinderäume gingen Überlegungen einher, wie wir auch unsere Pfarrei und Gemeinden umbauen und auch hier neue Räume und Zugänge schaffen können. Einbezogen waren nicht nur Pfarrgemeinderat und das neu installierte „Große Dienstgespräch“ mit Haupt- und Ehrenamtlichen, sondern auch alle Ortsausschüsse und eine eigens gegründete Projektgruppe. Der „Tag für alle“ am 9.9.2017 war ein großer Tag für unseren Prozess der Kirchenentwicklung, an dem vor- und nachmittags über 200 Menschen zusammenkamen, um an unserer Pfarrei weiterzubauen und Partizipation zu schaffen – unter anderem im Workshop „Zuhören und begleiten – neue Wege in der Trauerpastoral“, mit Beteiligung von Susanne Gorges-Braunwarth. Auch im Festgottesdienst und der anschließenden Begegnung mit über 500 Mitfeiernden war das Thema präsent. Viele wollen sich einbringen, in der Trauer da sein, Trost, Hoffnung und Begleitung schenken und so Zeuginnen und Zeugen der Auferstehungsbotschaft sein – und dies auch jenen Menschen anbieten, die sonst der Kirche eher fern stehen, aber gerade in der Trauer oft offen sind für die Botschaft unseres Glaubens.

Wir alle sind durch Taufe und Firmung gesandt, gemeinsam Kirche zu sein und als „lebendige Steine“ an ihr weiter zu bauen. In dieser Haltung wollen wir in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Bistums neue Wege in der Trauerpastoral erkunden und Partizipation ermöglichen. Wir wollen Charismen im Bereich der Trauerbegleitung entdecken und fördern, und Erfahrungen eine fundierte Ausbildung und Begleitung gewährleisten. Wir wollen die Dienste „Tote begraben“ und „Trauernde trösten“ als Gemeindedienste wiederentdecken, gehören sie als Werke der Barmherzigkeit doch zum Kernauftrag unserer Kirche. Wir wollen dabei auf gemachte Erfahrungen zurückgreifen (wie z.B. die durch die Teilnahme an der Bistumsfahrt nach Mönchengladbach, wo wir das Kolumbarium und Trauerzentrum besucht und mit dort ehrenamtlich Tätigen gesprochen haben) sowie offen sein für Neues. Grundlage sind auch das einstimmige Votum des Pastoralteams sowie der einstimmige Beschluss des Pfarrgemeinderates, sich auf diesen Weg machen zu wollen und am Erkundungsvorhaben des Bistums teilzunehmen.

Gemeinsam wollen wir in diesem Erkundungsprojekt Erfahrungen sammeln, wie ehrenamtlich Mitarbeitende in Trauergruppen, im Beerdigungsdienst und als Trauerbegleiter aktiv werden können – so selbstverständlich und auf Augenhöhe mit den hauptamtlich in der Seelsorge Tätigen, wie sie dies auch längst in der Sakramentenvorbereitung auf Taufe, Firmung und Eucharistie tun. Damit gelingen nicht nur die Verwirklichung unseres Kirchenbildes und die Förderung der Charismen unserer Mitchristen, sondern auch eine zeitlich und inhaltlich differenzierte und nachgehende Trauerseelsorge, wie sie die Trauernden wünschen oder brauchen.

Ein Pilotprojekt im und für das Bistum Limburg

Wir begreifen dieses Erkundungsvorhaben gleichermaßen als Chance für uns und für unser Bistum. Wir können erkunden und ausprobieren, und so wichtige Erfahrungen für einen möglichen Bistumsprozess machen. Wir wollen in guter Vernetzung sein und wollen einladend sein für alle, die sich für unsere Erfahrungen interessieren. Für die verschiedenen Ausbildungsmodule, die es braucht, sind wir auf Unterstützung des Bistums angewiesen – und sind gleichzeitig offen, von bereits existierenden Ausbildungsmodulen anderer Bistümer zu profitieren oder uns mit ihnen zu vernetzen. In Analogie zu anderen liturgischen Diensten, Gottesdienstbeauftragungen oder Kommunionhelfern, wünschen wir uns, dass am Ende der Ausbildung und mit dem Einsatz von Ehrenamtlichen als Trauerbegleiter oder im Beerdigungsdienst von St. Birgid, eine Beauftragung steht.

Im Rahmen des Erkundungsvorhabens wollen wir die Möglichkeiten und Chancen der Vernetzung mit anderen möglichen Partnern und Akteuren (Altenheime, Hospizvereine, Notfallseelsorge, Bestattungsinstitute) ausloten.

Wie geht es los, er kann mitmachen?

Die Fastenzeit 2018 haben wir unter das Motto „Es geht um Leben und Tod“ gestellt. Auf vielfältige Weise, u.a. in einer Film- und Diskussionsnacht, an Vortragsabenden, bei einem Auferstehungsspaziergang, Vorträgen und mehr geschieht eine breite inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Hierzu sind alle bisher Interessierten, aber grundsätzlich jede und jeder eingeladen. Dies gilt auch für das Starttreffen der Ausbildungsmodule zum Trauerbegleiter und Mitarbeitendem im Beerdigungsdienst, wenngleich diejenigen, die Interesse an einer Mitarbeit formuliert haben, schriftlich eingeladen wurden. Das Starttreffen steht unter der Überschrift „Trauer verstehen“. Nach der inhaltlichen Einführung werden die weiteren Schritte und Ausbildungsmodule vorgestellt. Im Blick auf eine Tätigkeit als Trauerbegleiter oder Mitarbeiter im Beerdigungsdienst gilt es in sensibler Weise darauf zu achten, dass die Interessierten eine entsprechende persönliche Eignung für die Dienste mitbringen. Dies erfordert eine ehrliche Reflexion der Teilnehmer, und auch eine Offenheit für Rückmeldungen. Es erfolgt eine Bewerbung der Teilnehmer. Das Pastoralteam wird mit jeder und jedem Bewerber ein Einzelgespräch führen und schließlich dem Pfarrgemeinderat Vorschläge machen, wer als Kundschafterin und Kundschafter beauftragt werden könnte. Diese machen sich dann auf den Weg, durch Teilnahme an den Modulen eine Hinführung und Ausbildung zu erfahren. Dabei wird stets auf die Bedürfnisse und zeitlichen Möglichkeiten der Teilnehmer Rücksicht genommen. Am Ende der Ausbildung erfolgt nochmals ein PGR Beschluss, wer als Trauerbegleiter und/ oder Mitarbeiter im Beerdigungsdienst vorgeschlagen und von einem Verantwortlichen dazu beauftragt wird.

Hauptamtliche Ansprechpartner in unserer Pfarrei St. Birgid sind Pfarrer Frank Schindling und Pastoralreferent Stephan Lechtenböhmer, der dann zukünftig die Arbeit und Weiterarbeit in der Trauerpastoral koordinieren wird.

Die Module

Folgende Themen sollen in den Modulen zur Ausbildung vorkommen (teils als eigene Veranstaltungen, teils zusammengefasst):

  • systematischer Blick auf Trauerphasen
  • Kommunikationstraining (mit Rollenspielen)
  • Hospitation bei Trauergesprächen und Liturgie
  • Verkündigungs- und Auferstehungsglaube und Jenseitsvorstellungen
  • Formen von Trauerbegleitung/ Sensibilität des Anfangs
  • Elemente der Trauerliturgie
  • Bestattungsformen
  • Spannungsfeld Biografisches – Verkündigung
  • Reflexion in der Gruppe

Unser Zeitplan

19.2.    Starttreffen

            Interessierte bewerben sich formlos schriftlich

            (an Pfr Schindling oder PR Lechtenböhmer)

25.3.    Ende der Bewerbungsphase

            Einzelgespräche der Bewerber mit Seelsorger*in des Pastoralteams

            Pastoralteam gibt dem PGR Empfehlungen ab, wer zunächst

            Kundschafter werden könnte

23.5.    PGR beschließt die Beauftragung der Kundschafter

            (Zahl und Personen)

            Ausbildungsmodule

            Hospitationen

   ?       Beschluss des PGR

            Beauftragung

            Begleitung, Reflexion, Betreuung

Nach dem 23.5. gibt das Pastoralteam den Bewerbern eine Rückmeldung. (Je nach Zahl der Interessierten können möglicherweise im ersten Erkundungsgang nicht alle Bewerber als Kundschafter benannt werden.) Es folgen weitere Ausbildungsmodule – zwei bereits vor den Sommerferien.

Im zweiten Halbjahr wird die Ausbildung fortgesetzt. Schließlich, nach erneutem PGR-Beschluss, sollen die Beauftragungen als Trauerbegleiter oder als Mitarbeitenden im Beerdigungsdienst geschehen, damit diese alsbald tätig werden und erste Erfahrungen sammeln können. Das Erkundungsfeld wird indes stetig fortgeschrieben – auch mit Blick auf ein mögliches Trauercafé und ein mögliches Kolumbarium mit Trauerzentrum in St. Johannes Rambach.

Ausblick

„Aus vielen Menschen entsteht Gemeinde, da lebt und stirbt man nicht allein.“ – Was wir so im Lied singen, soll sich in unseren Gemeinden und in unserer Pfarrei St. Birgid abbilden. Wir wollen gemeinsam Kirche sein, insbesondere für Menschen in Krisensituationen wie Sterben und Tod, an dieser Kirche weiter bauen, unsere Charismen leben und so gemeinsam Freude und Trauer teilen – und unseren Glauben. Gerne stellen wir unsere Erfahrungen der Partizipation, Kirchenentwicklung und Vernetzung im Bereich der skizzierten Felder der Trauerpastoral Interessierten im Bistum zur Verfügung.