Bericht einer Pilgerreise
auf den Spuren des Hl. Patrick von Irland
Pater Matthias (29.10.2010)
In der Zeit vom 17. - 23. Oktober 2010 nutzte ich meinen restlichen Urlaub, um gemeinsam mit
Pfr. Klaus Krechel (Krankenhauspfarrer im Josefshospital Wiesbaden) auf den Spuren des Hl. Patrick
einen mir bis dahin unbekannten Teil Irlands zu erkunden. An dieser Stelle danke ich meinem Vorgänger
im Amt des Pfarrers der St. Birgidpfarrei Pfr. i. R. Franz Meister herzlich für wichtige Vorschläge des Besuches.
(Natürlich erwarben wir auf der Reise auch viele andere wichtige Eindrücke, doch will ich mich auf jene, die
sich auf den Nationalheiligen Irlands beziehen, beschränken.)
Die Idee der Pilgerreise ist dadurch in mir entstanden, dass wir in unserer St. Birgidpfarrei einiges haben, was auf den
Hl. Patrick hinweist. Unsere Kindertagesstätte ist nach ihm benannt, unsere Kirche grenzt mit einer Seite an die Patrickstraße,
die größte Glocke unseres Pentageläutes trägt seinen Namen und seit unserem hundertjährigen Jubiläum heißt die Kapelle im
Untergeschoss unserer Kirche nicht mehr zweckmäßig Werktagskapelle sondern St. Patrickskapelle. Da lag es nahe Orte, die mit
dem Wirken des Hl. Patrick verbunden sind aufzusuchen.
Der erste Tag (Montag, 18. Oktober 2010)
Nachdem wir von Sonntag auf Montag im St. Patrick's - College in Maynooth übernachtet hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hill of Tara. (Dass das nationale Priesterseminar diesen Namen trägt, ist nicht verwunderlich, immerhin sind sehr viele Gebäude in Irland nach ihm benannt. Dies macht deutlich wie wichtig er für dieses Land ist.)
Wir begannen jeden Tag mit dem Beten des Brustharnischgebets, das auf den Hl. Patrick zurück geht. In seiner Confessio wird es überliefert. Es wird berichtet, dass der Heilige mit diesen Worten jeden Tag betete und sich auf diese Weise den Schutz Gottes wie einen Harnisch anzog, um so mit Gottes Segen gegen das Böse für den Tag gewappnet zu sein.

Der Hill of Tara liegt nicht weit von Dublin entfernt und war wohl schon in vorchristlicher Zeit ein wichtiger Ort des Kultes und der Beobachtung des Sternenhimmels. Zur Zeit des Wirkens des Heiligen Patrick war auf diesem Hügel der Sitz der irischen Hochkönige. Nachdem Patrick als Bischof zurück auf die grüne Insel kam, suchte er zunächst den Hochkönig auf, um ihn von seiner Mission - den Iren den christlichen Glauben zu bringen - zu überzeugen.

Es gibt verschiedene Legenden, die mit dem Hill of Tara und Patrick in Verbindung gebracht werden. Zum einen, dass nur hier auf dem Berg kultische Feuer leuchten durften. Patrick zündete sein erstes Osterfeuer auf dem benachbarten Berg an und trat so in offensichtliche Opposition mit dem Hochkönig und seinen Druiden. Auch wird berichtet, dass der Heilige hier dem Hochkönig Laoghaire die Dreifaltigkeit anhand des dreiblätrigen Kleeblattes erklärt hat. Einige im Gefolge des Hochkönigs ließen sich bekehren, der Hochkönig selbst jedoch nicht, aber Patrick bekam die Erlaubnis auf der irischen Insel zu missionieren.
Wenn auch auf dem Hill of Tara nicht mehr viel zu sehen ist außer ein paar Ringwällen und dem Krönungsstein, so war der Ort doch eine guter Ausgangspunkt für unsere Reise, da Patrick ja von hier aus aufbrach um den christlichen Glauben zu den Iren zu bringen. Auch wir brachen von hier aus auf, um das Land von der Ost- zur Westseite zu durchqueren und dabei viele Eindrücke von diesem wunderschönen Land zu erheischen. Es ist unglaublich wie viele unterschiedliche Facetten das Licht in Irland haben kann.
Der zweite Tag (Dienstag, 19. Oktober 2010)

Wir erwachten in der Connemara, einem Landstrich im Westen Irlands, der vor allem durch seine Kargheit geprägt ist. Nach dem Morgengebet in Kylemore Abbey einem Benediktinerinnenkloster, ging es an die Besteigung des Croagh Patrick. Von ihm wird berichtet, dass der Heilige Patrick auf dem Gipfel des Berges 40 Tage lang gefastet hat. Feierlich beendete er hier seinen Aufenthalt mit der Vertreibung aller bösen Geister von der Insel. Die Legende berichtet, dass er eine Glocke in den Nebel warf um durch ihr Geläut das Böse zu vertreiben. Deshalb wird Patrick auch oft mit einer Glocke (so auch der schmiedeeiserne Patrick an der Treppe zur Patrickskapelle, der früher die Wand unseres Kindergartens zierte) dargestellt. Eine andere Legende berichtet, dass der Heilige am Ende seiner Zeit auf dem Croagh Patrick Irland von den Schlangen befreite, in dem er sie ins Meer trieb. Tatsächlich ist Irland eine Insel, auf der es keine Schlangen gibt und in der Legende ist begründet, was wir in Wirklichkeit wahr nehmen können.

Beide Legenden haben gemeinsam, dass Patrick das Böse von der grünen Insel vertrieb. Darin sah er ganz und gar seinen Lebensauftrag.
Uns wurde der Aufstieg der 762 Höhenmeter sehr beschwerlich, da gerade der letzte Anstieg nur noch über Geröll geht. Es ist kaum vorstellbar, dass am letzten Sonntag im Juli hier bis zu 20.000 Menschen auf dem Berg steigen. Auf dem Berg angekommen, belohnte uns der Ausblick für die Strapazen. Es ist unglaublich wie weit man von hier sehen kann. Wir feierten auf dem Berg eine Messe und beteten vor allem für alle Menschen, denen wir das Gebet versprochen haben. Ein am Firmament stehender Regenbogen begleitete unser Beten. Dies sollte bei weitem nicht der letzte Regenbogen sein, der uns in diesen Tagen als Zeichen der Verbundenheit Gottes mit den Menschen erinnerte.

Nach dem Abstieg galt es weitere 80 km zum Downpatrick-Head zu überwinden. Dies ist ein im Meer freistehender Felsen nahe der Stadt Ballycastle. Von ihm wird berichtet, dass er nicht schon immer frei stand sondern mit dem Land verbunden war. Der Heilige habe hier den Teufel auf die äußerste Spitze des Festlandes gelockt und diese dann abgetrennt, so dass das Böse vom Land verbannt war. Auch in dieser Legende wir deutlich, dass Patricks Wirken ganz und gar dem Vertreiben des Bösen und der Ausbreitung des Guten verschrieben war. Auf jeden Fall war der Felsen wohl im frühen Mittelalter noch mit der Insel verbunden.
Der dritte Tag (Mittwoch, der 20. Oktober 2010)

Der Mittwoch brachte uns zum Purgatory of St. Patrick. Auf dieser kleinen Insel auf dem Lough Derg soll sich der Heilige Patrick zur Einkehr zurückgezogen haben. Er hat hier in einer Höhle 24 Stunden gefastet und gebetet und hatte eine Vision des Fegefeuers, welches nach dem Leben auf den Menschen zukommt, daher wird das Heiligtum Fegefeuer (Purgatory) des Hl. Patrick genannt. Der Heilige Davog, ein Schüler Patricks gründete auf einer Nachbarinsel ein Kloster und seit der Zeit Patricks ist die Wallfahrt auf der Insel mit Bußübungen verbunden, um es dem Heilgen gleich zu tun. Die Höhle in welcher Patrick betete existiert nicht mehr, aber eine wunderschöne Anlage.

Es ist nicht gestattet die Insel als Tourist zu besichtigen. Normalerweise dauert ein Aufenthalt auf der Insel drei Tage. Wenn man auf der Insel ankommt, geht der Pilger auf das Zimmer und zieht Schuhe und Strümpfe aus, um diese erst wieder vor der Abreise anzuziehen. In den folgenden drei Tagen ist Fasten (es gibt nur trockenen Tost und Tee) und Beten angesagt. Neun Stationen werden gebetet, wobei diese Stationen immer die gleichen sind. Sie umfassen einen festgeschriebenen Rhythmus von Vater-unser, Ave Maria und Glaubensbekenntnis in einem bestimmten Ablauf bei der Umschreitung der Basilika und der ehemaligen Mönchszellen.
Da im Oktober keine dreitägige Wallfahrten mehr sind sondern eintägige Einkehrtage für Schulklassen, bekamen wir die Erlaubnis die Insel für einen halben Tag zu besuchen. Zwar beteten wir nicht barfuß und auch nur eine der neun Stationen, aber immerhin dauerte diese 1 ½ Stunden und wir waren beeindruckt vom der Atmosphäre auf der Insel.
Der vierte Tag (Donnerstag, der 23. Oktober 2010)
Wir verließen die Republik Irland und durchquerten Nordirland. Unser nächster Anlaufpunkt war Armagh. Diese Stadt ist das spirituelle Zentrum Irlands. Hier war in vorchristlicher Zeit der Sitz der Hochkönige von Ulster. Der Heilige Patrick gründete hier seinen Bischofssitz. Armagh ist die älteste und wichtigste Stadt der Insel, obgleich wir in keinem der drei Reiseführer, die wir dabei hatten, etwas davon lesen konnten. Die St.-Patricks-Cathedral, die an der Stelle der einst von Patrick errichteten Kathedrale steht, ist heute der Sitz des Erzbischofs der protestantischen Church of Ireland. Auf dem gegenüber liegenden Hügel steht seit dem 19. Jahrhundert die römisch katholische Kathedrale mit gleichem Namen und ist Sitz des katholischen Erzbischofs. Das St.-Patrick's-Trian, ein Besucherzentrum, welches sich der der Geschichte der Stadt und dem missionarischen Wirken des Heiligen widmet, erschloss uns die Bedeutung Armaghs. Da wir bei der Übernachtung in Maynooth zu Beginn unserer Reise den Weihbischof von Belfast kennen gelernt hatten und er uns einlud, ihn zu besuchen, setzten wir unsere Reise nach Belfast fort.
Eigentlich sollte die Reise weiter nach Slemish führen. Slemish ist ein Vulkankegel und das darumliegende Land. Hier hat Patrick seine Jugend verbracht, nachdem er von Seeräubern in Britanien entführt und als Sklave hier her verkauft worden war. An den Hängen des Berges hütete der junge Patrick Schafe und in seiner Confessio berichtet er, dass er hier durch das Gebet die Kraft gefunden hat, durchzuhalten. Er berichtet auch, dass er eines Nachts auf dem Berg einen Engel sah, der ihn den Weg zu einem Schiff zeigte und ihm damit zur Flucht von der Insel verhalf.
Der fünfte Tag (Freitag, der 24. Oktober 2010)

Am Vormittag trafen wir Donal McKeown, den Weihbischof von Down and Connor, so der Name des Bistums dessen Sitz in Belfast ist. Er führte uns zur Kathedrale und zeigte uns viele Ecken der Stadt die wir sicherlich nicht zu Gesicht bekommen hätten. Dabei handelte es sich um die Stadtteile, durch welche die Peace Wall (eine große Betonmauer) verläuft, um die Bewohner der Parteien des Nordirlandkonflikts voneinander zu trennen. Durch sein Berichten des Miterlebens der Auseinandersetzungen und des derzeitigen Stillstandes wurde uns die Geschichte sehr verständlich.

Auch wenn dieser Punkt eigentlich nicht zu unserer Pilgerreise gehörte, waren wir umso dankbarer, dass er uns durch das Kennenlernen geschenkt wurde.
Am Nachmittag ging es nach Down Patrick. Hier liegt auf dem Friedhof neben der heute protestantischen Kathedrale der Heilige Patrick zusammen mit den Gebeinen der Heiligen Birgid und des Heiligen Colmban unter einer großen Steinplatte begraben. Der Besuch am Grab und das Gebet an dieser Stelle für unsere Pfarreien sollte die kleine Wallfahrt beenden. Ein anschließender Besuch im St.- Patricks-Centrum fasste mit der multimedialen Ausstellung noch einmal alle besuchten und damit erpilgerten und bebeteten Orte zusammen.
Der sechste Tag (Samstag, der 25. Oktober 2010)
Die Rückfahrt von Nordirland hatte uns wieder in das Priesterseminar nach Maynooth für eine weitere Übernachtung gebracht. Wenn unsere Pilgertour auch abgeschlossen war, so hatten wir dennoch einen weiteren Tag Zeit, welchen wir für die Besichtigung Dublins nutzten. Aber auch die heutige Hauptstadt der Republik Irland kommt nicht am Nationalheiligen vorbei. Ähnlich wie auch an den anderen zuvor benannten Stätten war die katholische Kirche durch die englische Krone vom Besitz der St.-Patricks-Cathedral enteignet worden, so dass diese seit 1558 protestantisch ist. Der Besuch der größten Kirche auf der irischen Insel war sehr beeindruckend und rundete den gemeinsamen Besuch ab. Pfr. Krechel flog zurück nach Deutschland und ich besuchte noch einige Tage das Bistum Kildare und Leighlin und damit die der Pfarrgemeinde St. Birgid wohlbekannten Priester: Gerry Byrne, Adrian Carburry und Sean Maher, in deren Namen ich die Gemeinde St. Birgid herzlich grüßen soll.