Reisen_2010 Irland
Vom 13.-22. April 2010 war eine Reisegruppe der Deutsch-Irischen Gesellschaft Wiesbaden, die sich mehrheitlich aus
Mitgliedern der St. Birgid Pfarrei in Wiesbaden-Bierstadt zusammensetzte, unter optimalen Reisebedingungen unterwegs im
einsamen Nordwesten Irlands. Hier einige Erfahrungen, die sich den Reisenden neben den Bildern der steil ins Meer stürzenden
Klippen, der einsamen Moorlandschaften und der steinernen Zeugen einer 5000-jährigen Geschichte einprägten:
Kirche im Wechselbad der Geschichte:
Fore mit den Ruinen von St. Féichins Kirche, Rest eines typisch keltischen Klosters gegründet 630, damals 300 Mönche und
2000 Studenten; von hier und anderen Klöstern dieses Typs kamen die irischen Pilgermönche auf den Kontinent und wurden dort
zu Glaubensboten. In Sichtweite davon die Ruinen eines Benediktinerklosters aus dem 12. Jhdt, nach kontinentalem Muster
angelegt und geführt, welches das frühere Kloster ablöste. Seinerseits aufgelöst durch den englischen König Heinrich VIII.
Es folgt die 300-jährige Unterdrückung der kath. Konfession durch die englische Krone. Und im 19. Jhdt. ein Wiederaufleben
der kath. Kirche mit zahlreichen Priester- und Ordensberufen; dafür steht im Dorf eine neue Kirche aus dieser Zeit. Und
heute ist die kath. Kirche in Irland erneut in eine Krise geraten: ihre Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. So steht der
kleine Ort Fore für 1 ½ Jahrtausende Kirchengeschichte in Irland.
Unsichtbare Grenze:
Wachtposten und Kontrollen sind an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland verschwunden. Nur an der
Entfernungsangabe in Meilen und beim Bezahlen mit englischem Pfund merkt der Reisende, dass er sich in Nordirland befindet.
In der Regierung sitzen einst unversöhnliche Gegner gleichberechtigt nebeneinander, die sich gegenseitig verpflichtet haben,
einvernehmliche Entscheidungen zu treffen - ein nachahmenswertes Modell für andere Krisenregionen.

Klimawandel und Umweltprobleme vor 5000 (!) Jahren: an der nördlichen Steilküste von Mayo liegen die Felder von Ceide. Kilometerlange, wohl in Gemeinschaftsarbeit errichtete Steinmauern, die jeweils Parzellen für eine Großfamilie voneinander abtrennen, als Viehweide und als Wohnplatz. Diese frühen Bauern haben um 3000 v. Chr. mit ihren Steinäxten den Wald gerodet und ca. 200 Jahre dort gelebt. Absinken der Temperatur um 2° und Überweidung des Bodens führten zur Aufgabe, Moor breitete sich aus und überdeckte die Mauern, bis diese im vorigen Jahrhundert wieder entdeckt wurden.
Ursymbole der Menschen: um die Gestalt der hl. Birgid von Kildare (+ 524/25) ranken sich vorchristliche mythologische Vorstellungen: die Pilger in Kildare werden zu zwei heiligen Quellen geführt, von denen einer heilende Kraft zugeschrieben wird. Eine kleine Gemeinschaft der wieder errichteten Birgidschwestern hütet eine ständig brennende Flamme, so wie es von St. Birgid berichtet wird, dass ihre Schwestern Tag und Nacht ein Herdfeuer gehütet haben, um jederzeit anderen Feuer zu geben und Gäste aufzunehmen. Wir denken dabei an das belebende und heilende Wasser der Taufe und das Feuer des hl. Geistes.
Wirtschaftliche Not vertreibt Menschen: das Skelett eines verlassenen Dorfes auf Achill Island, das Heinrich Böll in seinem irischen Tagebuch so eindringlich beschrieben hat, erinnert an die große Hungersnot 1847 in Irland, in der die irische Bevölkerung von 8 auf 4 Millionen sank, verhungert oder ausgewandert. Es erinnert auch an Menschen in anderen Regionen, die heute aus wirtschaftlicher Not ihr Land verlassen und in anderen Ländern versuchen, eine neue Existenz aufzubauen.
Eine denkwürdige Grabinschrift: auf dem Grabstein des irischen Literaturnobelpreisträgers W.B. Yeats (+1939) in Drumcliff steht: "Cast a cold eye on life, on death, horseman pass by". Hier spricht der Dichter zu dem Betrachter: Blicke distanziert auf Leben und Tod, ich habe keine Antwort, setze deinen Weg fort und suche an anderer Stelle. Die zahlreichen Megalithgräber, die ältesten um 3000 v. Chr., und erst recht die christlichen Friedhöfe mit den eindrucksvollen mittelalterlichen Hochkreuzen sprechen eine andere Sprache. Halten die Christen in Europa die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod aufrecht? Eine Hoffnung, die sie befähigt , die Probleme des Alltags anders zu sehen, sie mit Kraft und Entschiedenheit, aber auch mit Gelassenheit anzupacken?
Freunde am Rande Europas: Sister Mary von den Birgidschwestern in Kildare, Father Adrian Carberry, Pfarrer an
St. Brigid in Kildare, der in den 80er Jahren einmal Ferienvertretung in Bierstadt übernommen hatte, und der
Pfarrgemeinderat von St. Brigid bereiteten unserer Reisegruppe einen herzlichen Empfang, der mit einem festlichen Abend mit
Lifemusik und Tanz einen wunderschönen Abschluss fand. Pfarrer Meister lud zu einem längst fälligen Gegenbesuch nach
Bierstadt ein.
Ein pünktlicher (!) Rückflug am ersten Tag der Öffnung des wegen der Vulkanaschewolke geschlossenen Dubliner Flughafens
beendete eine gelungene Reise.
F.M.