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St. Birgid
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Pastoraler Raum Wiesbaden Ost

19 Mitchristen aus dem pastoralen Raum Wiesbaden-Nordost auf dem Bonifatius-Wanderweg


Ob er zu seinen Lebzeiten je diesen Weg gewandert, gefahren oder geritten ist, ist nicht überliefert. Überliefert jedoch ist, dass seine "letzte Reise" auf dieser Erde in etwa diesen Verlauf genommen haben soll. Auf Schiff, Tragbahre, Pferdelafette wurde sein Leichnam von seiner Bischofsstadt Mainz zu seiner letzten Ruhestätte in seinem Lieblingskloster in Fulda überführt.

Er, der Apostel der Deutschen, der Heilige Bonifatius wurde 754 n. Chr. auf einer Missionsreise zu den Friesen auf dem Gebiet der heutigen holländischen Kleinstadt Dokkum erschlagen. Seine Begleiter brachten den Leichnam vorerst nach Utrecht, dann in seine vormalige Bischofsstadt Mainz, um sie dann - seinem letzten Willen entsprechend - weiter nach Fulda zu überführen.

Single Image Anfang Oktober 2011 machten sich 19 Christen aus den nord-östlichen Vororten Wiesbadens auf, diese letzte Wegestrecke des Apostels der Deutschen nachzuvollziehen. Eingeladen, organisiert und begleitet wurde die 9-tägige Wanderung von Pfarrer Franz Meister in Kooperation mit Pfarrer Erhard Heimburger. "Begleitet" in doppelter Wortbedeutung, denn an jedem Morgen gab Pfarrer Meister mit geistlich-theologischen "Impulsen" die Anregungen zu nachdenklicher Meditation auf der morgendlichen Wanderstrecke. Single Image
Zudem boten "Bonifatius-Brunnen", "Bonifatius-Kreuze" oder "Bonifatius-Kapellen" nicht nur Rastplätze zu Erholung, sondern auch Orte zum "Inne-Halten" - ebenfalls begleitet von geistlich-theologischen Texten, Liedern und Erinnerungen an und mit dem Heiligen.

Gestartet wurde die mehrtägige 170 km lange Wanderung mit einer "Teststrecke" vom Mainzer Dom - dort hatte am Beginn des Wanderweges ein gemeinsamer Gottesdienst gestanden - über die Wiesbaden-Mainzer Vororte Kastell und Kostheim, vorbei an Hochheim (mit einem Impuls in der dortigen Pfarrkirche St. Peter und Paul) nach Bad Weilbach. Die "Teststrecke" bot Gelegenheit, die individuelle Kondition, aber auch die jeweilige persönliche Ausrüstung kritisch zu überprüfen. Vorsorglich hatten die beiden Pfarrer nicht nur die täglichen Wanderstrecken von 15 bis 20 km Länge geplant, sondern auch für alle Eventualitäten ein "Begleitfahrzeug" mit vorgesehen. So mussten sich die Wanderer morgens nur noch mit dem erforderlichen Tagesgepäck beladen, während die Lasten der Allwetterkleidung oder Bekleidung für die abendlichen Aufenthalte per Fahrzeug transportiert wurden. Diese weitblickende Vorausplanung erwies sich als sehr hilfreich, denn nicht Jedermann (-frau) blieben während der Gesamtwoche von Blessuren oder Fußblasen verschont.

Single Image Die eigentliche Mehrtages-Wanderung startete dann eine Woche später vom Ziel der ersten Etappe Bad Weilbach aus und verlief - bei strahlend sonnigem Herbstwetter - durch fast das gesamte Rhein-Main-Gebiet, an der Skyline von Frankfurt/Main vorbei mit "Impuls-Pausen" bei der Bonifatiuskapelle in der Nähe von Kriftel und am Bonifatius-Brunnen am Frankfurter Riedberg. Nach den Etappenzielen Sulzbach und Karben wurde dann allmählich die Bebauung weniger intensiv, die Bauten wurden niedriger und die Räume weiter und offener. Die eigentliche Mehrtages-Wanderung startete dann eine Woche später vom Ziel der ersten Etappe Bad Weilbach aus und verlief - bei strahlend sonnigem Herbstwetter - durch fast das gesamte Rhein-Main-Gebiet, an der Skyline von Frankfurt/Main vorbei mit "Impuls-Pausen" bei der Bonifatiuskapelle in der Nähe von Kriftel und am Bonifatius-Brunnen am Frankfurter Riedberg. Nach den Etappenzielen Sulzbach und Karben wurde dann allmählich die Bebauung weniger intensiv, die Bauten wurden niedriger und die Räume weiter und offener.br />
Wenn auch die Wanderroute hervorragend ausgeschildert war, gab es doch gelegentliche Irritationen, die aber mit Hilfe der örtlichen Bevölkerung immer schnell ausgeräumt werden konnten. Erstaunlich bei solchen "Begegnungen" waren die Kommentare der örtlichen "Wegweiser", die durch unterschiedlichste Ethnien und religiöse Zugehörigkeiten die Wandernden mit aufmunterndem Lob und mit guten Wünschen positiv begleiteten. Der "Bonifatius-Wanderweg" ist in den regionalen Kommunen "angekommen".

Single Image Am 4. Abend stand die "Einkehr" bei den Benediktinerinnen von Kloster Engelthal auf dem Programm. Von den Schwestern wohl umsorgt, nach einer gemeinsamen abendlichen Kloster-Andacht und einem morgendlichen Gottesdienst, ging es am folgenden Tag zu einem weiteren historischen Highlight - dem Keltenmuseum am Glauberg - einer Begegnung mit der Zeit lange vor den Missionsreisen des Heiligen Bonifatius! Ein Archäologe "der ersten Stunde" informierte anschaulich über die ersten historischen Funde an dieser Stelle, die Pflege der Fundstücke, die wissenschaftlichen Diskussionen und schließlich über die politische Überzeugungs-Arbeit bis hin zu dem eindrucksvollen Neubau des Keltenmuseums. Erstaunlich für Alle war es, mit welcher Kunstfertigkeit unsere Vorfahren vor über 3.000 Jahren damals bereits ihrem "Handwerk" und ihrer "Landwirtschaft" nachgingen.

Aber auch gegenläufige Erfahrungen machte die Wandergruppe. Kurz vor dem Etappenziel Ortenberg hatten die begleitenden Theologen den Abendimpuls in der romanischen Klosterruine Konradsdorf vorgesehen. Enttäuschend und erstaunlich: selbst die unmittelbare Bevölkerung schien von diesem historischen Kleinod am Rande ihres eigenen Wohnortes kaum Notiz zu nehmen und wenig zu wissen. Denkmalschutz oder Bestandspflege scheint dieses historische Kultur-Denkmal jedenfalls nicht zu genießen. Da der Wanderweg an diesem Tag besonders lang und zudem im Schlussverlauf sehr steinig war (wie es ja eigentlich auch von einem Pilgerweg erwartet werden sollte!) waren trotzdem alle dankbar, sich auf dem verwitternden Kirchengestühl mit und während des theologischen Tages-Impulses kurzzeitig erholen zu können.

Single Image Dann war der Vogelsberg erreicht - die lärmenden Autobahnen und Flugrouten des Rhein-Main-Gebietes lagen nun schon weit hinter uns - Sonnenschein und Sonnenhitze begleiteten uns zur Freude der meisten weiterhin und machten "Allwetter-Bekleidung und -Gepäck weiterhin überflüssig. Die Bonifatius-Route verlief inzwischen in sehr wechselvoller Landschaft über Wiesen, an Ackerflächen vorbei und durch die schützenden Laubwälder des Vogelsberges. Dort war es dann auch, wo die Wandergruppe die höchste Stelle des Wanderweges mit 667 Höhenmetern erreichte.

Von dort an ging es dann "wohltuend" abwärts und am Abend hatte der Gastwirt in Ilbeshausen - trotz eines reduzierten Unterbringungs-Komforts - zur Begrüßung der Bonifatius-Gäste eigens ein Schwein geschlachtet. Auch dies - neben den täglichen Meditations-Angeboten und Andachten - gehörte zum Bonifatius-Wanderweg: das abendlich frische Bier oder ein kühler Wein zusammen mit meist ausgezeichneter Speisenauswahl am Buffet oder aber eine kräftige Vogelsberger-Brotzeit. Und gelegentlich gab es auch während der Wanderungen hier oder dort zur Aufmunterung einen Vogelsberger-Apfel oder - von gastfreundlicher Hand gereicht - eine kleine Trauben-Auswahl von der bäuerlichen Hofwand.

Single Image An vielen Stellen des Wanderweges gibt es "Erinnerungsstellen" - Bonifatius-Brunnen, Bonifatius-Eichen, Bonifatius-Kapellen - Orte zum Innehalten und zum Nachdenken. So wanderten an den Vormittagen die Teilnehmer zumeist still-nachdenklich alleine oder in Kleingruppen den mit Bischofsstab und Kreuz ausgeschilderten Strecken entlang. Jeder für sich und trotzdem gemeinsam in der Gruppe, jeder mit seinen Gedanken und doch mit den Impulsgedanken unterwegs, unterwegs im Heute und in der Bonifatius-Zeit - dies Alles vermittelt schon nach kurzer Zeit ein Gefühl, dass einen nach den Terminhetzen unserer Zeit mehr und mehr zu innerer Ruhe und Gelassenheit finden lässt.

So konnte denn auch die nächtliche Hochzeits-Party-Musik während der letzten Übernachtung im eleganten Hotel der Ortschaft Klein-Heilig-Kreuz nicht mehr eigentlich stören. Die äsenden Rehe und grasenden Kühe jedenfalls konnte auch das nächtliche Feuerwerk nicht dauerhaft verschrecken. Für die wandernden Pilger war vielmehr die nebenstehende Wallfahrtskapelle Ort der Sammlung und der sonntäglichen Eucharistiefeier.

Single Image Wenn 170 km Wanderstrecke vor einem liegen, dann ist dies ein "unendlicher" Weg. Wenn dann aber im Fuldatal im weit entfernten Hintergrund erstmals der Dom zu Fulda auftaucht - allmählich näher rückend - und schließlich direkt vor einem aufragend - dann zeigt sich, dass auch dieser Pilgerweg "endlich" ist. Nachhaltig wird einem die "Endlichkeit des Weges " dann bewusst, wenn sich dann plötzlich neben einem rucksack-tragenden Mitwanderer plötzlich die nachmittäglichen Touristen zur "Besichtigung des Barock-Doms" einfinden.

Und nochmals "nachhaltig" wird der Eindruck der "Endlichkeit" dann vor dem Apostelgrab selbst: der Marmor-Darstellung seines teil-offenen Sarges, der Skulptur des Bischofs mit Stab und Mütze, der sich herauslugend dem Himmel entgegen wendet.

Das Ziel des Bonifatius-Wanderweges - begonnen in der Domstadt Mainz und endend hier vor dem Bonifatiusgrab - war erreicht. Auf einem Weg, der einen "anders" werden lässt.


Willi Schneider




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