Schmerzhafte Muttergottes Hl. Birgid von Kildare, Irland Hl. Birgid von Kildare, Irland

Logo St. Birgid
65191 Wiesbaden
Birgidstr. 2a

Ökumene wie wir sie verstehen
Empfehlung
und Links

Katholische Pfarrgemeinde
St. Birgid
Wiesbaden - Bierstadt
Pastoraler Raum Wiesbaden Ost

Europa wieder mehr schätzen gelernt
Eindrücke von einer Reise nach Nordpolen und in die russische Enklave Königsberg vom 4.-12.9. 2011


Die 26 Frauen und Männer aus den Pfarreien St. Birgid, Bierstadt und St. Elisabeth, Auringen und aus dem übrigen Stadtgebiet flogen zuerst nach Danzig. Der Verkehr staute sich in der Innenstadt von Gdingen und die Menge drängte zum Hafen, Single Image wo die großen Windjammer angelegt hatten. Im benachbarten Oliva erlebten wir ein klangvolles Orgelkonzert auf der berühmten 7000-Pfeifen-Orgel in der ehemaligen Zisterzienserkirche und heutigen Kathedrale. Dazwischen das Seebad Zoppot, wo wir unter der späten Nachmittagssonne über die Strandpromenade und die breite, Single Image 512 m in die Ostsee hineinragende Seebrücke flanierten. Und am Ende dieses ersten Tages stille Minuten des Gedenkens an den Gräbern deutscher Single Image Soldaten aus den Kriegen 70/71, 14/18 und 39/45 auf dem ehemaligen Garnisonfriedhof unweit des Danziger Hauptbahnhofes, wo wir ein Blumengebinde niederlegten. Was für ein Kontrast, wo wir uns den ganzen Tag wie selbstverständlich unter den polnischen Sonntagsspaziergängern bewegt haben und dann die Erinnerung an die Kriege, vor allem den letzten mörderischen Krieg zwischen unseren beiden Nationen. Wie sehr sollten wir das vereinte Europa wieder mehr schätzen.
Diese Kontrasterfahrung begleitete uns auf der ganzen Reise: am nächsten Tag die glanzvoll original rekonstruierten Fassaden der Danziger Altstadt Single Image und die Menge der Studenten und Touristen auf den Gassen und Plätzen bis tief in die Nacht und im Innern des Goldenen Tores die Fotos der 1945 zerstörten Stadt, auf der anderen Seite des berühmten Motlaukais mit dem Krantor noch Ruinen und Baulücken aus der Kriegszeit. Single Image Mit dem Schiff fuhren wir durch den Danziger Hafen zur Westerplatte, einer Halbinsel zwischen alter Weichsel und Ostsee, Single Image auf der sich nach dem Versailler Vertrag von 1920 eine kleine polnische Besatzung und ein Munitionsdepot befand: am 1. September 1939, begann um 4.45 mit der Beschießung durch das deutsche Panzerschiff Schleswig-Holstein hier der zweite Weltkrieg.
Von Danzig aus fuhren wir unter blau-weißem Himmel in die Kaschubei, wanderten im Slowinski-Nationalpark über die große Wanderdüne bei Leba Single Image zum Ostseestrand und wurden in der ehemaligen Klosterkirche von Karthaus an die verrinnende Lebenszeit gemahnt. Single Image Auf dem Hinweg am Vormittag, bei einem Blitzbesuch im europäischen Begegnungszentrum Schloss Krockow im ehemaligen ‚polnischen Korridor', entdeckten wir die Bilder von 2 Brüdern der Familie Krockow, der eine in deutscher Uniform, der andere in polnischer Uniform, die sich als Bewacher und als Gefangener im 2. Weltkrieg wieder begegneten.
Single Image Den Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ritterordens von 1309 - 1457, die Marienburg an der Nogat, durften wir nicht auslassen. Neben der Größe, der Prachtentfaltung und der starken Befestigung der Anlage blieben vor allem die ausgeklügelte gotische Haustechnik und die bei der Verteidigung 1945 zerstörte Ordenskirche in Erinnerung, deren Inneres nicht wieder rekonstruiert worden war. Erstaunlich, dass Polen dieses Symbol jahrhundertelanger deutscher Herrschaft und kriegerischer Auseinandersetzungen restauriert hat, aus Respekt vor der kulturellen Leistung und in Wahrhaftigkeit vor der Geschichte, die nur dann, wenn diese aufgearbeitet wird, auch Lösungen für die Gegenwart ermöglicht. Single Image Wir befuhren auch den Oberländer Kanal, ein über 100 Jahre altes technisches Fossil, das - vergleichbar mit der Single Image Nerobergbahn - bis heute einwandfrei funktioniert: über 6 schiefe Ebenen, sog. Rollberge, wird das Schiff mit Passagieren auf die nächsthöhere oder -tiefere Kanalebene gezogen.
Ein Kurzbesuch in Elbing beschloss den Tag: hier hat man erst jetzt mit dem Aufbau der im Krieg zerstörten Altstadt begonnen, nicht wie in Danzig in genauer Rekonstruktion der Fassaden, sondern in einem gefälligen, variablen modernen Stil, der den Charakter der alten Bebauung aufgreift.
Single Image Auf dem Weg nach und von Königsberg kamen wir durch das Gebiet der Diözese Ermland, heute Warmia, in dem bis 1772 das Domkapitel auch die weltliche Herrschaft ausübte. Single Image Drei Orte haben wir besucht: die Kapitelsburg in Frauenburg mit der Kathedrale und dem Sitz des Bischofs, den Wallfahrtsort Heilige Linde mit seiner prächtigen Barockkirche und die Kapitelsburg in Allenstein. Single Image Ein Ermländer Domkapitular ist weltbekannt, Nikolaus Kopernikus, der in Allenstein und in Frauenburg astronomische Beobachtungen anstellte und das alte ptolemäische Weltbild (die Erde ist eine Scheibe, die Sonne dreht sich um die Erde) durch das heliozentrische ablöste (die Erde ist eine rotierende Kugel, sie dreht sich um die Sonne, der Mond dreht sich um die Erde); er fasste das Ergebnis seiner Forschungen in dem Werk "De revolutionibus orbium coelestium" (Über die Bewegung der Himmelkörper) zusammen, das 1543 in seinem Todesjahr erschien. Ein anderer, der letzte deutsche Bischof der Diözese Ermland, Maximilian Kaller, wurde 1945 vom damaligen polnischen Primas daran gehindert, in sein Bistum zurückzukehren, kam nach Königstein und sammelte von hier aus die zerstreuten katholischen Vertriebenen; sein Denkmal steht heute in der Frauenburger Kathedrale - ein Zeichen der Versöhnung.
Der Besuch der russischen Enklave Kaliningrad - benannt nach dem 1946 verstorbenen Staatsoberhaupt der Sowjetunion , das alle Säuberungen und Morde unter Stalin mitgetragen hatte, die heutigen russischen Bewohner würden lieber wieder Königsberg sagen - verlief nicht ohne Spannung: bei der Einreise 1 ½ Stunden warten, Migrationskarte ausfüllen und Passkontrolle mit Computerabgleich in der Halle; bei der Ausreise 4 Stunden warten, bis ein russischer und ein polnischer Bus vor uns sorgfältig vom polnischen Zoll an der EU-Außengrenze nach Schmuggelware untersucht worden war und unser Busfahrer den in Königsberg getankten Dieselkraftstoff deklariert hatte, ebenso auf polnischer Seite Passkontrolle und Computerabgleich in der Halle, damit keine ungewollte Person in den Schengenraum einreist. In Königsberg selbst Abgabe der Pässe im Hotel. Die Bewohner der Enklave benötigen Visa für die Bahnreise durch Litauen oder Polen bzw. Weißrussland, wenn sie nach St. Petersburg oder Moskau reisen wollen; es fahren daher nur wenige Züge; die große Jugendstilhalle des Hauptbahnhofs war menschenleer. Single Image Single Image Das Zentrum des alten Königsberg wurde völlig vernichtet: zuerst durch Bombenangriffe, dann bei der Verteidigung der Festung Königsberg 1945 und endgültig durch die Schleifung und Einebnung der Ruinen durch die Russen, damit nichts mehr an die deutsche Vergangenheit erinnern sollte. Nur die Reste des Domes blieben stehen, weil sich an der Außenwand das Grab des großen Königsberger Philosphen Immanuel Kant (1724-1804) befindet, den auch die Sowjets schätzten, weil sie ihn als einen vermeintlich sozialistischen Denker vereinnahmten. Mit deutschen Geldern wurde der Dom als Konzerthalle wieder-hergestellt und beherbergt in den Turmräumen ein Museum der Stadtgeschichte und Kants. Die ausgezeichnete russische Führerin sagte: "Die zusammengewürfelte Bevölkerung der Stadt fängt allmählich an, nach den geschichtlichen Wurzeln ihrer Stadt zu suchen, um zu einer eigenen neuen Identität zu finden".
Single Image Außer dem Dom gibt es noch am Rand der Innenstadt das unzerstört gebliebene Villenviertel Amalienau und Reste des ehemaligen Befestigungsgürtels. Hier ist auch, im Dohaturm, das Bernsteinmuseum untergebracht. Auf dem zentralen Platz am ehemaligen Nordbahnhof hat die orthodoxe Kirche die prächtige Christus-Erlöser-Kathedrale errichtet. Es war für uns sehr aufschlussreich, dieses abgegrenzte Gebiet kennen zu lernen, ohne nachhaltige Wirtschaftskraft und auf dem Land brachliegende Flächen und verlassene Dörfer, weniger Russland und vielmehr eine isolierte Zone im Osten Europas.
Single Image Auf dem Rückweg nach Warschau noch einmal ein Kontrasterlebnis: im Osten der Masuren, unweit der Kleinstadt Rastenburg, in einem Waldstück versteckt die gesprengten Bunker des ehemaligen Führerhauptquartiers Wolfsschanze, wo am 20. Juli 1944 das fehlgeschlagene Attentat gegen Hitler stattfand. Und nur 14 km davon entfernt in Steinort am Mauersee das baufällige Schloss des ehemaligen 5000 ha großen Gutes Lehndorff, wo einer der Männer des 20. Juli, Heinrich Graf Lehndorff mit seiner Familie, Wand an Wand mit dem Außenminister Joachim von Ribbentrop, Kurierdienste für die Widerstandskämpfer leistete.
Es war Sonntag, als wir in Warschau ankamen; es war sommerlich warm und überall waren Menschen unterwegs, jung und alt. Single Image Zuerst besuchten wir das Grab des Kaplans Jerzy Popieluszko bei der Stanislaus Kostka Kirche, den die polnische Staatssicherheit 1984 umgebracht hatte, weil er sich für die Solidarnosc-Bewegung eingesetzt hatte. Sein Grab ist heute eine nationale Wallfahrtsstätte. Single Image Dann fuhren wir zur Aussichtsplattform des Kulturpalastes hoch, von wo aus wir die ganze Stadt überblicken konnten. So weit das Auge reichte in alle Richtungen sich ausbreitende große mehrgeschossige Wohnblocks, die alle nach dem Krieg entstanden sind, ebenso die zahlreichen Hochhäuser Single Image und die originalgetreu rekonstruierte Altstadt und die angrenzende sog. "Neustadt", heute Weltkulturerbe der Unesco. Am Kriegsende war das gesamte Gebiet eine einzige Trümmerwüste, Single Image 90 % aller Gebäude waren dem Erboden gleich, nach den Kämpfen 1939, den Aufständen 1943 und 1944 und der Eroberung durch die russische Armee 1945: Respekt vor der Wiederaufbauleistung der Polen. Als wir dann durch die Altstadt bummelten und abends in einem der zahlreichen Straßenrestaurants saßen, kam ein dankbares Gefühl auf, dass es ganz normal ist, sich als Deutscher in der polnischen Hauptstadt zu bewegen, als Nachbar unter Nachbarn.
Zwei Persönlichkeiten seien noch erwähnt, die grenzüberschreitend gewirkt haben: die doppelte Nobelpreisträgerin für Physik (1903) und Chemie(1911), Madame Maria Sklodowska-Curie (1867-1937, die Entdeckerin der Radioaktivität, deren Geburtshaus in der Warschauer "Neustadt" Single Image noch heute zu sehen ist; und der Pianist und Komponist Fréderic Chopin (1810-1849), in der Nähe von Warschau geboren, hat dann einige Jahre in Warschau und später in Paris gewirkt; sein Denkmal ist im Lazienski-Park zu sehen. Alles in allem eine hochinteressante und eindrucksvolle Reise. Der Blick in die Geschichte zeigt, wie sehr wir die Europäische Union (wieder) schätzen sollten, trotz aller gegenwärtiger Probleme, die vergleichsweise gering sind angesichts von Millionen Kriegsopfer, Flüchtlingen, Vertriebener und in Trümmer gelegter Städte und vernichteter Kulturschätze am Ende des Krieges. Wir sollten alle Europamüdigkeit ablegen und uns zu neuen solidarischen Anstrengungen aufraffen.


Franz Meister




kostenlose counter Seitenaufrufe seit dem 01.11.08     Letztes Update: 15.10.11, 00 : 48