Kloster St. Clare in Vietnam
Am Sonntag, 10. Januar 2010, waren wir im Rahmen einer Info-Tour durch In-dochina auch in Ho Chi Minh City, dem
früheren Saigon, und hatten den Nach-mittag zur freien Verfügung. Wir nutzten ihn zu einem Besuch im Kloster St. Clare im
9. Bezirk, einem sehr dicht besiedelten Stadtteil im Nordosten. Da die Schwestern ein eher zurückgezogenes Leben in
Kontemplation führen und auch kein Internet haben, wurde unser Besuch durch den Provinzial der Franziskaner mit den
Schwestern vereinbart.
Unser Taxifahrer, den wir an der Kathedrale von Saigon charterten, kannte den Weg recht genau. Über eine autobahnähnliche
Schnellstraße verließen wir die Innenstadt, an Tausenden von Mopedfahrern vorbei. Den Sonntagnachmittag nutzten viele
Saigoner zu einer Spazierfahrt, meist mit der ganzen Familie: Vater, Mutter, zwei Kinder auf einem Moped. Wir durchquerten
den Stadtteil Tang Nhon Phu auf einer von Menschenmassenn wimmelnden Hauptstraße mit un-zähligen Geschäften und Läden.
Dann bogen wir in eine Wohnstraße ab und er-reichten bald das Kloster, nicht weit von einer großen buddhistischen Pago-de.
Das Kloster ist von der Straße abgeschirmt durch eine Mauer, die das recht große Grundstück mit Garten, Kirche und
Klostergebäuden begrenzt.
Eine junge Schwester ließ uns durch das eiserne Tor ein. An der Pforte er-wartete uns die Äbtissin, Sr. Agnes. Sie ging
mit uns durch den schönen Garten in eine halb offene Halle, in der etwa 25 Schwestern uns mit einem Lied begrüßten.
Sr. Agnes entschuldigte sich, dass sie nicht gut Englisch sprechen könne. Eine ältere Schwester assistierte ihr in
Französisch. Meine Französischkenntnisse reichten zum Verstehen aus, aber im Sprechen sind sie sehr begrenzt, und ein
Wörterbuch hatte ich nicht dabei. So ging es munter durcheinander mit Englisch und begrenztem Französisch meinerseits,
Englisch durch die Äbtissin, Französisch durch die ältere Schwester, mit viel Lachen und Applaus.
Nach Begrüßungslied und Willkommensgruß stellten wir uns vor, überbrachten die Grüße der 3 Pfarrgemeinden, übergaben einen
Brief von Christine Klaus und Michael Sattler, eine Grußkarte von P. Matthias und einen Umschlag mit der Spende (1000 Euro)
von St. Elisabeth. Wir betonten, dass in unseren Gottesdiensten immer die Verbundenheit mit den Partnern in der weiten
Welt bekräftigt wird und dass wir im Gebet mit ihnen vereint sind. Wir erwähnten auch die anderen bestehenden
Partnerschaften und baten die Schwestern um ihr Fürbittgebet. Die Schwester betonten immer wieder, dass sie uns in ihr
Gebet einschließen und dass unsere Gemeinden ihre Wohltäter seien. Sie hör-ten sehr interessiert unseren Berichten über
die Strukturprobleme der Kir-che bei uns zu (Zusammenlegung von Gemeinden, Priestermangel, zahlenmäßiger Rückgang der
Christen usw.) Sie wollten natürlich auch wissen, was wir beruflich machen und wohin wir in Vietnam fahren.
Wir wollten unsererseits einiges über das Kloster wissen. Die Zeit reichte nicht aus, alle unsere Fragen zu stellen, zumal
Sr. Agnes uns zwischendurch verlassen musste, da sie noch andere Gäste erwartete. Sie kam dann noch einmal für ein
Abschiedsfoto und blieb für ein paar Minuten, um Fragen zu beantworten. Aber dann wurde deutlich, dass sie weg müsse und
die Zeit der Schwestern begrenzt sei. Aber einiges konnten wir von ihr und den anderen Schwestern erfahren.
Die Gemeinschaft wurde in Nordvietnam gegründet. Während der kommunisti-schen Herrschaft wichen sie nach Süden aus und
gründeten das Kloster in Saigon. Etwa 35 Schwestern leben hier. 2005 gründeten sie 100 km entfernt ein Tochterkloster und
kürzlich ein zweites Filialkloster, für das auch un-sere Spende verwendet wird. Die Kommunität besteht aus 21 Schwestern
mit ewigem Gelübde, 4 mit zeitlichem Gelübde, 9 Novizinnen, 2 Hospitantinnen, 9 Bewerberinnen. Uns fiel der hohe Anteil
junger Schwestern auf.
Sie leben im wesentlichen von der Hostienbäckerei. Sie versorgen die christlichen Gemeinden von Saigon mit Hostien. Sie
benutzen eine deutsche Hostienbackmaschine. Außerdem verkaufen sie Rosenkränze und Armbänder, die sie z.T. von anderen
Klöstern beziehen. Einige Schwestern fertigen Bilder mit religiösen Motiven an. Ein Bild vom hl. Franziskus, von einer der
anwe-senden jungen Schwestern gestaltet, erhielten wir als Geschenk für St. Eli-sabeth.
Nicht alle Fragen konnten wir stellen - wegen der Kürze der Zeit und der sprachlichen Probleme, z.B. über die angespannte
Situation der kath. Kirche im kommunistisch regierten Vietnam, über die Lage der Klöster und Orden, über den Tagesablauf
im Kloster, über Kontakte zu den Buddhisten und ande-ren Religionsgemeinschaften, über das Zusammenleben im Stadtteil,
über die kath. Gemeinden und ihre Probleme.
Wir vereinbarten, dass wir weiterhin mit dem Kloster verbunden bleiben möchten, dass wir über die Fortschritte der
Filialgründung mehr wissen möchten und dass wir uns mit Briefen und Fotos gegenseitig informieren wer-den. Die Schwestern
versicherten uns, dass sie ständig für uns beten.
Zu einem Foto versammelten wir uns im Garten und besuchten auch die äußerst liebevoll gestaltete Kirche. Nach knapp 2
Stunden wurden wir verabschiedet. Mit viel Winken und Applaus geleiteten die Schwestern uns zum Taxi, und wir fuhren über
die Schnellstraße nach Saigon, wo wieder Tausende Vietnamesen auf Mopeds unterwegs waren.
Peter und Brigitte Eberhardt
22. Januar 2010
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