nimmer satt – Neues Programmheft der KEB

Immer weiter, immer größer, immer mehr – und doch niemals satt sein. Das war lange Zeit das Mantra des Erfolgs. Nun erleben wir, dass dem Wachstum natürliche Grenzen gesetzt sind. Mehr noch: dass es endlich ist. Hinter uns liegt einer der heißesten und trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn und vor uns der wohl schwierigste Winter seit Jahrzehnten. Gleichzeitig verbraucht die Menschheit weiterhin mehr natürliche Ressourcen als die Erde jemals erneuern könnte. Welche Visionen helfen aus der Krise?

Das neue Halbjahresprogramm der Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus und Rheingau (KEB) nimmt das Spannungsfeld von Bewahrung der Schöpfung und gleichzeitiger Wachstumsgier der Menschheit in den Fokus. Unterschiedlichste Veranstaltungen geben Impulse zu  drängenden Fragen unserer Zeit. Wie könnte zum Beispiel Verzicht attraktiv als zukunftsfähige Routine diskutiert werden? Welche neuen kreativen Ideen lassen Gesellschaft und Individuum, lassen Zusammenleben in einem ausbalancierten Miteinander gelingen? Dr. Simone Husemann, Leiterin der KEB und Kunsthistorikerin, erweitert den politik-zentrierten Blick und bringt beim Gespräch im Roncalli-Haus kulturelle Aspekte ein: „Welche Ressourcen aus der kulturellen Bildung und der Kunst können hilfreich sein, zumal sich diese per se einer eindimensionalen Sichtweise verweigern und vielmehr den Umgang mit Ungewissheit überhaupt thematisieren?“

Ein Umdenken im weltweiten Wirtschaften scheint notwendig. Doch wie könnte das künftig aussehen? Am Montag, 19.09.2022 um 20.30 Uhr (Roncalli-Haus, Salon, Friedrichstraße 26-28, 65185 Wiesbaden) gibt ein Vortrag mit anschließender Diskussion der Politikwissenschaftlerin Dr. Cornelia Frings Einblicke in das Wirtschaftsmodell der Donut-Ökonomie. Die Kombination aus Bevölkerungswachstum und unbegrenztem Wirtschaftswachstum hat zu gravierenden, vom Menschen verursachten ökologischen Problemen globalen Maßstabs wie zum Beispiel dem Klimawandel, der Überdüngung der Böden und Gewässer oder dem Rückgang der Artenvielfalt geführt. Angesichts dieser Entwicklungen gibt es seit fast fünfzig Jahren wachstumskritische Stimmen, die auf planetare Belastungsgrenzen in Form von begrenzten natürlichen Ressourcen und Aufnahmekapazitäten der Erde verweisen und die Möglichkeit unendlichen Wachstums verneinen. Sie bemängeln zudem, dass die Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum nicht automatisch zu sozialem Wohlstand für alle führt. Wie könnte also ein Wirtschaftsmodell funktionieren, das sowohl mit der Erfüllung bestimmter sozialer Mindeststandards als auch mit der Einhaltung planetarer Grenzen vereinbar ist?

Am Mittwoch, 02.11.2022 um 19.30 Uhr (Roncalli-Haus, Salon, Friedrichstraße 26-28, 65185 Wiesbaden) betrachtet der Referent Roland Büskens die christlichen Aspekte von Nachhaltigkeit. Der Theologe und Pädagoge betont, dass die christliche Theologie eine solide Grundlage für unsere Bemühungen um ein nachhaltiges Leben bildet. Wie ethische Blickwinkel andersgläubiger oder atheistischer Menschen letztlich an das Evangelium und die christliche Weltanschauung angelehnt sind, wird er in seinem Vortrag mit anschließender Diskussion herausarbeiten.

Bereits einen Tag später, am Donnerstag, 03.11.2022 um 18 Uhr inspiriert ein Gespräch mit dem Kunstsammler Frank Brabant im Museum Wiesbaden (Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden). Wie gestaltet die Kunst das Leben des Wahl-Wiesbadeners? Ein Schwerpunkt seiner Sammeltätigkeit sind Maler der sogenannten verschollenen Generation, Künstler, die in der Zeit des Nationalsozialismus emigrierten oder im Zweiten Weltkrieg starben. Was geben uns diese Werke mit für aktuelle Herausforderungen und Lebensumstände?

Auch auf die Finissage des Programms WASSER:MACHT am Samstag, 08.10.2022 um 19 Uhr (St. Peter und Paul, Alfred-Schumann-Straße 27, 65201 Wiesbaden) weist Dr. Simone Husemann hin: „Von zwei Schiersteiner Kirchtürmen haben wir nun ein halbes Jahr auf das weite Thema Wasser geschaut. Nun gilt es, das Netz einzuholen. Wir laden ein zu einer fish bowl-Diskussion, das heißt, zu einer für alle offenen Gesprächsrunde mit der Kunst, der Politik und der Theologie.“ Das Berliner Duo “Liquid Soul. Musik aus Luft und Wasser“ begleitet den Abend musikalisch.

Auf der Webseite https://keb-wiesbaden.bistumlimburg.de/ gibt es tagesaktuell weiterführende Informationen zu den genannten Veranstaltungen und zu vielen weiteren, ebenso wie die Möglichkeit zur Anmeldung. Hier ist auch das digitale Programmheft zum Durchblättern verfügbar.

Die gedruckte Broschüre liegt in zahlreichen katholischen und städtischen Einrichtungen und in Pfarreien im Bezirk aus. Sie können sie ebenso direkt bestellen per E-Mail an keb.wiesbaden@bistumlimburg.de oder telefonisch 0611 174120.