Die Krisenthemen kommen auf den Tisch

Interview mit Bischof Dr. Georg Bätzing zum Ad-Limina-Besuch

Vom 13. bis 19. November sind die deutschen Bischöfe zum Ad-Limina-Besuch im Vatikan. Im Interview sprachen wir mit Bischof Dr. Georg Bätzing unter anderem über seine Erwartungen an dieses Treffen.

1. Was verbirgt sich denn hinter einem Ad-Limina-Besuch?

Bischof Dr. Georg Bätzing: Beim Ad-Limina-Besuch handelt es sich um ein regelmäßiges Treffen der Bischöfe mit Vertretern der vatikanischen Behörden in Rom und natürlich auch mit dem Papst. Da der letzte Ad-Limina-Besuch vor sieben Jahren stattfand, wird es für mich der erste sein. Ich bin sehr gespannt. Ad-Limina ist aber nicht nur ein Besuch, sondern es ist für uns Bischöfe auch eine Wallfahrt. Wir werden nämlich die Begräbnisstätten der Apostel besuchen. Dort werden wir gemeinsam beten und um Kraft und Unterstützung bitten. Dieser Aspekt ist sehr wichtig.

2. Sie erwartet ein volles und inhaltlich sehr dichtes Programm. Wie haben Sie sich auf das Treffen vorbereitet und was werden Sie dem Papst aus dem Bistum Limburg berichten?

Ich habe mich intensiv auf den Besuch in Rom vorbereitet und habe ganz viel aus dem Bistum zu berichten. Wir Bischöfe sind gebeten einen umfangreichen Bericht zur Situation in unseren Diözesen im Vorfeld des Ad-Limina-Besuches zu verfassen. Dabei haben mich ganz viele Menschen in den vergangenen Monaten unterstützt.

Die aktuelle Situation der Kirche ist herausfordernd. Es trifft mich persönlich sehr, dass so viele Menschen aus der Kirche austreten. Sie geben damit ein Votum ab und zeigen mir, dass sie nicht mehr damit einverstanden sind, wie sich Kirche darstellt. Die Gründe sind sicherlich vielfältig und größtenteils auch berechtigt. Dennoch gibt es Gründe zu bleiben. Im Bistum Limburg haben wir deshalb zusammengetragen, was es an Aufbrüchen und tollem Engagement gibt. Wir haben auf die Verkündigung und die Gottesdienste in der Diözese geblickt. Wir berichten vom Engagement von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen und vom Wirken der Caritas. Wir schauen auf unsere Kindertagesstätten und Schulen, auf die Erwachsenenbildung, auf die Jugendarbeit und auf unsere Verbände. Ich bin wirklich stolz darauf, wie wir im Bistum Limburg aufgestellt sind und wie wir die Zukunft der Kirche und der Menschen im Blick haben. Davon werde ich ganz viel berichten.

3. Bei alle dem Schönen, gab es in den vergangenen Monaten auch immer wieder Irritationen zu Äußerungen aus dem Vatikan. Werden Sie „Krisenthemen“ wie Synodaler Weg, Fragen der Sexualmoral, Geschlechtergerechtigkeit oder Ökumene ansprechen und wie viel Raum werden sie in den Tagen bekommen?

Ja! Wir werden diese Themen offen und ehrlich ansprechen. Ich glaube auch, dass es kein Zufall ist, dass wir Bischöfe jetzt nach Rom eingeladen sind. Es gibt klar erkennbaren Gesprächsbedarf, gerade über das, was wir als Weg der Umkehr und Erneuerung für die Kirche in unserem Land im Synodalen Weg zusammen mit vielen machen. Ich bin davon sehr überzeugt. Ich weiß natürlich auch, dass es viel Unverständnis zu unserem Weg in Rom gibt. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass wir wirklich viel Zeit haben, darüber miteinander zu reden. Das ist eine echte Chance.

4. Sie sind Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Kommt Ihnen in dieser Funktion eine besondere Rolle in Rom zu?

An einzelnen Punkten der Tagesordnung darf ich als Vorsitzender den Austausch beginnen. Und ich habe die große Ehre, den Gottesdienst zur Eröffnung am Grab des Apostel Petrus zu feiern. Darauf freue ich mich wirklich sehr und es ist für mich etwas sehr emotional Berührendes.

Ansonsten haben wir Bischöfe uns gut aufgeteilt. Jeder soll zu Wort kommen und viele werden sprechen und ihre Erfahrungen einbringen. Das macht uns stark.

5. Welche Erwartungen haben Sie an den Besuch oder anders gefragt: Wann würden Sie sagen, das waren konstruktive und lohnende Tage in Rom?

Das Treffen in Rom hat sich gelohnt, wenn wir wirklich offen und ehrlich miteinander reden. Ich nehme sehr hohe Erwartungen an den Besuch und ein bislang so nie dagewesenes öffentliches Interesse daran wahr. Das ist gut, aber auch eine Herausforderung an das Erwartungsmanagement. Wir Bischöfe wollen die Chance des Treffens nutzen und in den Austausch gehen. Ich nehme wahr, dass dies auch die vatikanischen Stellen wissen und die Chancen teilen wollen.

6. Sie haben beschrieben, wie intensiv Sie sich auf den Besuch vorbereitet haben und was Sie aus dem Bistum berichten werden. Kann Sie die Diözese irgendwie unterstützen?

Ja! Ich bitte um Unterstützung und habe sie bereits beim Verfassen des Berichts erfahren. Meine größte Bitte ist allerdings die, dass ich Sie einlade, für uns Bischöfe zu beten. Beten Sie mit uns, dass diese Gespräche gelingen. Beten Sie, dass wir uns in einer offenen Geschwisterlichkeit austauschen und nach wirklichen Perspektiven für die Kirche suchen. Lassen Sie uns im Gebet miteinander verbunden sein.

7. Dürfen Sie oder werden Sie nach dem Besuch über Ergebnisse und Erwartungen berichten?

Ja, ich werde über den Besuch berichten. Bereits in Rom wird es eine offizielle Pressekonferenz nach Abschluss des Treffens geben. Wir Bischöfe werden das, was wir in Rom erfahren haben, das, was wir bewegt, diskutiert und besprochen haben, mit in unsere Diözesen nehmen. Hier gehört es auch hin und ich verspreche, dass wir damit auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz und auf dem Synodalen Weg weiterarbeiten werden. Anders wäre ein solcher Besuch nicht nachhaltig.

Text/Foto: Bistum Limburg