Allgemein

Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung – je mehr Kerzen brennen, desto näher rückt die Geburt des Erlösers. In dieser Zeit des Wartens lädt die katholische Pfarrei St. Birgid zu mehreren Veranstaltungen ein.

„Advent online“ heißt es an den Adventssonntagen jeweils um 18 Uhr. In die Videokonferenzen mit inspirierenden Texten, Musik und Gebet kann man sich einbringen und im Anschluss noch zum Austausch zusammenbleiben. Den Zugang finden Sie hier. Am 1. Dezember findet man auf dieser Webseite auch den digitalen Adventskalender der Messdiener. „Hinter verborgenen Fenstern“ gibt es jeden Tag eine Überraschung – diese sind auch unter minis_stbirgid auf Instagram zu finden.

Zu „Musikalischen Abendgebeten bei Kerzenschein“ lädt Bezirkskantor Roman Bär mittwochs um 18.30 Uhr in die Bierstadter Pfarrkirche St. Birgid, Birgidstraße 2a, ein. Zu Gehör gebracht werden Adventslieder. Dort kann man sich am 16. Dezember auch das Friedenslicht abholen. Das Licht aus Bethlehem zum Mitnehmen gibt es auch am Dienstag, dem 15. Dezember, um 17 Uhr in Christ König Nordenstadt, Borkestraße 4, am Freitag, dem 18. Dezember, um 9 Uhr in St. Stephan Delkenheim, Stuttgarter Straße 2, und am Samstag, dem 19. Dezember, um 18 Uhr ebenfalls in St. Stephan sowie in allen Weihnachtsgottesdiensten.

Familien dürfen sich auf den Adventsweg in St. Stephan Delkenheim freuen. Am Sonntag, dem 13. Dezember, gibt es von 15 bis 18 Uhr draußen Bilder und Geschichten zur heiligen Lucia und drinnen eine Lichterspirale mit Musik und Meditation.

Einen Spaziergang wert ist in der Adventszeit St. Elisabeth Auringen, Auf den Erlen 15. Dort erwartet Klein und Groß ein liebevoll gestaltetes Adventsfenster, das an jedem Adventssonntag erweitert wird. Ab dem 4. Advent steht zudem ein Weihnachtsbaum vor der Kirche. Familien sind eingeladen, vorbeizukommen und den Baum zu schmücken, so dass er bis zum 24. Dezember von Tag zu Tag schöner wird.

Text/Foto: Anne Goerlich-Baumann

„Uns verbindet so vieles“: Das war eine Grunderfahrung im gemeinsamen Austausch christlicher und jüdischer Spitzenvertreter im Bistum Limburg. Zum ersten Mal fand das Treffen am Donnerstag, 12. November, im dem es um Themen der Seelsorge, des interreligiösen Dialogs und der gesellschaftlichen Verantwortung ging, digital statt. Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner waren die beiden Rabbiner Avichai Apel und Julian Chaim Soussan sowie die Direktorin Jennifer Marställer und die Kommunikationschefin Michaela Fuhrmann der jüdischen Gemeinden Frankfurt. Vom Landesverband der Jüdischen Gemeinde in Hessen nahmen Direktor Daniel Neumann und Vorsitzender Jakob Gutmark am Austausch teil. Das Bistum Limburg war mit Bischof Dr. Georg Bätzing, Weihbischof Dr. Thomas Löhr und Professor Dr. Joachim Valentin, Vorsitzender des Rats der Religionen und Beauftragter für den Dialog mit dem Judentum im Bistum Limburg, vertreten. Der Austausch dauerte rund drei Stunden und war von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.
Die Covid 19-Pandemie fordert die jüdischen Gemeinden genauso heraus wie die christlichen Kirchen. Der erste Lockdown im Frühjahr sei hart gewesen, denn sowohl das jüdische Pessachfest als auch Ostern konnten nicht wie gewohnt gefeiert werden. „Bei allen Einschränkungen und Herausforderungen gibt es aber eine große Zahl von Neuaufbrüchen in Diakonie, Familienzusammenhalt, Frömmigkeit und Digitalität“, waren sich die Vertreterinnen und Vertreter einig. Gerade in der Krise sei es wichtig, bei den Menschen und gesellschaftlich präsent zu sein. „Religion bietet den Einsamen Gemeinschaft, den Kranken und Sterbenden Hoffnung und allen Gläubigen Halt in der Orientierung am göttlichen Heil“, so die Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter.

Zunehmender Polarisierung und Antisemitismus entschieden entgegenstellen

Große Sorgen bereite ihnen die zunehmende Polarisierung und Antisemitismus, der Ängste und Unsicherheiten befeuere, sowie die Zunahme an Verschwörungsglauben. Diese Entwicklungen machten es schwerer auf einer gemeinsamen Basis gesellschaftliche Probleme anzugehen und friedlich zusammenzuleben. Für Juden seien diese Entwicklungen eine existentielle Bedrohung. „Wir können hier nicht schweigen. Diese Entwicklungen sind unerträglich und nicht zu tolerieren“, so die klare Positionierung der Gesprächsrunde. Es gelte jetzt aufmerksam und solidarisch zu sein und den Dialog gerade auch mit Muslimen zu suchen. Das bisweilen höfliche Schweigen gegenüber dem Islam müsse gebrochen und die Grenzen des Tolerierbaren klar benannt werden. Nur so könne es zu einem wirklich fruchtbaren Austausch in freundlicher Atmosphäre kommen.

Die Spitzengespräche zwischen Vertreterinnen und Vertretern des jüdischen Lebens und der christlichen Kirchen in Hessen haben eine gute Tradition und werden regelmäßig organisiert. Mit Blick auf die Fülle der Themen wird es zeitnah ein Folgegespräch geben. Dabei wird es um gemeinsame Aktionen wie #beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ und das Jubiläum „1700 Jahre Judentum in Deutschland“ sowie den ÖKT im Mai 2021 in Frankfurt gehen.

Text: Bistum Limburg

„Unsere Nachbarin ist traurig. Da ist die Mutter im Krankenhaus. Der schenke ich eine Martinstüte!“ So wie der kleine Junge in der Kindertagesstätte Herz Jesu Sonnenberg nahmen Kinder im ganzen Pfarreigebiet an „Zünd ein Licht an!“, der Martinsaktion des Bistum Limburg,  teil. Da coronabedingt keine Laternenumzüge stattfanden, hatte die Fachstelle Familienpastoral aufgerufen, abends ein Licht ins Fenster zu stellen und verteilte mit einem Martinsmotiv bedruckte Brötchentüten im ganzen Bistum. Auch in St. Birgid wurden rund 1200 Tüten ausgeteilt. In den beiden Kitas und den Schulen gab es für alle Kinder zwei Tüten – eine zum selbst Ausmalen und Aufstellen und eine zum Verschenken – zum Beispiel an die Nachbarin mit der kranken Mutter.

Auf die Martinsfeiern mussten die ganz kleinen Gemeindemitglieder aber nicht komplett verzichten. Pastoralreferentin Bettina Tönnesen-Hoffmann besuchte die Kindertagesstätten Maria Aufnahme Erbenheim und Herz Jesu Sonnenberg, wo die Kinder stolz ihre selbstgebastelten Laternen und bunt bemalten Lichtertüten präsentierten. Mit Martinsspielen wurde des berühmten Heiligen gedacht. In Erbenheim gab es sogar ein kleines Martinsfeuer. Im Anschluss brachten die Erbenheimer Kita-Kinder noch eine große Martinsbrezel ins Seniorenheim der Nassauischen Blindenfürsorge.

Beide Kitas ließen die Gemeinde zudem mit einer besonderen Aktion am Martinsfest teilhaben: Auf der Homepage der Pfarrei, www.st-birgid.de, veröffentlichten sie einen Podcast, in dem nicht nur die Legende des Heiligen von ihnen erzählt wurde, sondern in dem sie sich auch Gedanken über das Teilen und Helfen machten. „Helfen macht Spaß“, so das Urteil eines Mädchens. „Es fühlt sich im Körper gut an“, stimmte ein anderes Kita-Kind zu.

Text: Anne Goerlich-Baumann/Fotos: Stefanie Türk und Lars Heller

Miriam Gies berichtet von der Krankenhausseelsorge in Corona-Zeiten

Pastoralreferentin Miriam Gies ist seit August neu im dreiköpfigen Team der Katholischen Krankenhauseelsorge in den HSK-Kliniken. Warum das Krankenhaus auch in diesen Zeiten der Lieblingsarbeitsplatz der Diplomtheologin ist und wieso das Personal Schokolade bekommt, davon erzählt sie im Interview mit Barbara Reichwein.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie im Haus aus?

Die Atmosphäre ist insgesamt angespannt. Die Patienten sind vor allem von dem Besuchsverbot betroffen. Viele von ihnen bekunden trotzdem ausdrücklich ihr Verständnis für die Maßnahmen. Der Arbeitsumfang der Ärzte und Pflegenden ist enorm. Die geben wirklich alles! Wir als Seelsorgeteam müssen sehr aufmerksam sein und wissen, ob es neue Regelungen gibt, welche Stationen zum Beispiel umfunktioniert und freigehalten werden. Dass die Wortgottesdienste in der Kapelle ohne Teilnehmer gefeiert werden müssen, ist eine der Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir streamen die Feier aber und sie kann über den Krankenhauskanal auf dem Fernseher im Zimmer miterlebt werden. Ich empfinde auch das Maske-Tragen als Herausforderung. Es ist damit schwer, ohne Worte Kontakt aufzunehmen. Ich versuche, die fehlende Mimik durch Sprache und Ton auszugleichen. Manchmal hilft es, das Problem gleich am Beginn eines Gespräches anzusprechen. Dann wird die Unterhaltung direkt leichter. Wir müssen mehr als sonst zwischen den Zeilen hören und sehr sensibel sein für das Nichtausgesprochene.

Was können Sie derzeit tun, wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Wir machen das, was wir auch in anderen Zeiten machen: Hingehen. Sichtbar sein. Auch die Klinikleitung legt großen Wert auf unsere Präsenz. Wir haben zum Glück das große Privileg, auch jetzt auf fast allen Stationen unterwegs sein zu können. Wenn die Menschen zu unseren Namen ein Gesicht haben, fällt es ihnen oft leichter, uns anzusprechen. Unsere regelmäßigen Rundgänge beginnen dabei immer am jeweiligen Pflegestützpunkt. Das Personal weist uns auf Patienten hin, die eventuell einsam sind, bei denen wir vorbei schauen könnten. Dass unsere Einladung zum Gespräch nicht nur für die Patienten gilt, sondern für alle im Haus, sorgt manchmal für Überraschung. Sind Sie auch für uns da? Die erstaunte Frage kam kürzlich von einer Krankenschwester auf der Intensivstation. Aber ja, das sind wir!, lautete die Antwort. Für das Pflegepersonal und die Ärzte ist es ein hohes Gut, ein paar Minuten von einem besonders belastenden Dienst erzählen zu können. Und von ihren eigenen Sorgen – um die Patienten, aber auch um ihre Familien, die sie schützen wollen. Zur großen Freude bringen wir manchmal auch Süßigkeiten mit. Nach einer aufreibenden zwölf-Stunden-Schicht braucht man keinen Salat, sondern Schokolade. Die haben wir auch schon vor der geschlossenen Tür der Covid-19-Station abgelegt, um zu signalisieren: Wir haben euch nicht vergessen.

Was hat Sie in letzter Zeit besonders bewegt?

Da fallen mir gleich zwei Erlebnisse ein: Ich konnte eine junge Frau begleiten, deren Mann von einem Tag zum anderen völlig unerwartet gestorben ist. Dienstags wurde er eingeliefert, mittwochs war er tot. Es war gut, dass sie in dieser Ausnahmesituation nicht allein war. Sehr nahe ist mir auch der Tod eines Kindes gegangen. Es war viel zu früh und nicht lebensfähig auf die Welt gekommen. Ich bin direkt aus dem Kreissaal angerufen worden und habe dort für die Eltern eine kleine Segensfeier gehalten. Es war ihnen in ihrem Schmerz sehr wichtig, dass ihr Kind gesegnet wurde. So ein vertrautes Ritual gibt auch in einer so existentiellen Situation Halt. Auch wenn es keine Worte gibt, ein Vater Unser bekommt man hin und das tröstet.

Was hilft Ihnen selbst bei der Bewältigung?

Eine große Rolle spielt dabei unser super Team, wir sind hier keine Einzelkämpfer. Da wird vieles schon im Gespräch aufgearbeitet. Meine zwei Kollegen Beatrix Buballa-Herok und Dr. Sebastian Schneider haben langjährige Erfahrung. Das ist ein großer Schatz und davon profitiere ich sehr. Unerlässlich ist die Supervision. Und dann hilft mir auch der Glaube. Manchmal sitze ich eben in der Kapelle und lege alles in Gottes Hand. Wenn ich die Klinik verlasse, lasse ich auch die Rolle zurück, in der ich dort unterwegs bin. Ich habe eine Familie, die mir großen Rückhalt gibt, und einen Hund, der zugleich mein Hobby ist. Er ist zum Schutzhund ausgebildet und ich muss mit ihm richtig üben und arbeiten.

Welcher Weg hat Sie an diesen Arbeitsplatz geführt?

Ich habe zwar erst in diesem Jahr meine Ausbildung zur Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Birgid absolviert, war aber schon vorher zwölf Jahre als Diplomtheologin im Schuldienst im Bistum Mainz tätig. Außerdem bringe ich bereits langjährige Erfahrung in der Notfall- und Krisenseelsorge mit. Von daher weiß ich: Nirgendwo ist man näher am Menschen. Genau das ist meine Motivation und mein theologisches Verständnis. Dass ich jetzt zu Corona-Bedingungen angefangen habe, macht für mich keinen Unterschied und ich habe auch keine übermäßige Angst vor einer Infektion. Für mich gilt nach wie vor: Genau hier möchte ich als Seelsorgerin arbeiten!

Foto: privat

Brandschäden komplett beseitigt – Glocken erklingen am 1. November wieder

Wer den Kirchturm der Pfarrkirche St. Birgid Bierstadt betritt, sucht vergebens nach Brandspuren. 13 Monate nach dem verheerenden Feuer ist der Turm saniert, auf allen Ebenen wieder begehbar, die Wände sind sauber verputzt und die beiden Zwischendecken neu eingezogen. „Im Januar lag hier noch alles in Schutt und Staub“, erinnert sich Verwaltungsleiterin Andrea Karger. Auch Gemeindesekretärin Brigitte Harnisch, die am Tag des Brandes vor Ort war und alles hautnah miterlebt hat, freut sich über das Ergebnis. Herzstück ist die neue Holztreppe, die von der ersten Zwischendecke, die die Pfadfinder künftig wieder als Lagerraum nutzen dürfen, zur zweiten Ebene führt. Von dort gelangt man über eine Leiter zu den Glocken, die seit dem Brand schweigen.

Auch hier oben wurde fleißig gearbeitet. Die Aufhängung und der Zustand der Glocken wurden vom Sachverständigen des Bistums geprüft. Inzwischen hat er grünes Licht für den Einsatz der Glocken gegeben. Ein Glockenbauer hat zudem eine neue elektrische Zuleitung gelegt und das Geläut getestet. Erklingen soll es wieder am 1. November zum Gottesdienst.

Nachdem die Polizei kurz nach dem Brand eine Fremdeinwirkung und damit eine Brandstiftung ausschließen konnte, übernahm die Versicherung den Schaden und es wurde zügig mit der Renovierung des Turms begonnen. Nicht ganz ungefährlich sei der  Einsatz der Arbeiter der Aufräumfirma gewesen, die die maroden Zwischendecken entfernt und die Trümmerteile beseitigt haben, hat Harnisch noch gut in Erinnerung. Seitdem haben Handwerker, Verputzer, Elektriker und Zimmerleute ganze Arbeit geleistet. Corona bedingt sei es zu ein paar Verzögerungen kommen, gibt Karger zu, doch insgesamt sei man gut vorangekommen.

Inzwischen ist die Einhausung am Fuß des Turms verschwunden und der Meditationsraum wieder über die schmale Wendeltreppe zugänglich. Auch hier sind die Spuren, die das Löschwasser hinterlassen hatte, nicht mehr zu sehen. Lediglich ein Stockwerk höher sind noch die Löcher der alten Metallträger in den Wänden zu sehen. Zuletzt wurden die Fenster und die Schallläden eingebaut.

Offiziell wird der Turm am 1. November frei gegeben, dann lädt das Geläut die Gemeinde zum Gebet ins Gotteshaus ein und Himmel und Erde werden sich hier im Glockenklang endlich wieder verbinden.

Text/Fotos: Anne Goerlich-Baumann

Trotz Coronakrise konnte die einzigartige Herbstfreizeit der Pfarrei St. Birgid im wunderschönen Weiler am Berge in der Eifel stattfinden und dank eines durchdachten Hygienekonzepts fuhren alle Messdiener, die angemeldet waren, auch mit. Unter dem Motto „Die total verrückte Herbstfreizeit“ verbrachten wir gemeinsam mit Pfarrer Frank Schindling und Pastoralteamer Pawel Meisler, im wahrsten Sinne des Wortes, eine total verrückte Woche – und das lag nicht nur an der Pandemie.

Es begann mit dem blauen Montag, an dem alle, von den Socken bis zur Maske, blau angezogen waren. Wir feierten Weihnachtsostern, bemalten Weihnachtseier und bastelten Osterkarten und konnten dem Weihnachthasen und dem Ostermann den Weg aus dem metertiefen Christstollen zeigen.

Am nächsten Tag war alles verkehrt: Wir wurden mit einem Gute-Nacht-Lied geweckt, machten früh morgens eine Nachtwanderung und trafen uns zum Abendessen statt zum Frühstück. Nicht zu vergessen, dass wir auch unsere Kleidung verkehrt herum trugen. Total verrückt, oder? Nach einer lustigen Gegenteilolympiade ging es zur Sommerrodelbahn nach Kommern. Abends freuten wir uns dann auf ein leckeres Frühstück.

Am nächsten Morgen konnten wir ausschlafen, denn wir feierten unseren Nichtgeburtstag. Der ganze Tag war ein Fest. Wir spielten Topfschlagen, Brezelfangen und vieles mehr. Nachmittags wartete dann das Schwimmbad auf uns, wo wir alle sehr viel Spaß hatten.

„Helau“ und „Alaaf“ hieß es dann am Freitag. Mit Kreppeln zum Frühstück und dem „Roten Pferd“ als Hintergrundmusik begannen wir unseren letzten Tag. Nach einem gelungenen Königsspiel, das für die Könige ein brutales Ende fand, bereiteten wir uns auf einen unvergesslichen bunten Abend vor. Jede Vorführung war mehr als gelungen. Von einer beeindruckenden Zaubershow, über spannende Quizduelle und Ratespiele bis hin zur nachgestellten Leiterrunde, war es einfach großartig.

So fand auch dieses Jahr unsere Herbstfreizeit ein Ende und wir konnten mit schönen Erinnerungen und neuen Freundschaften nach Hause zurückkehren.

Text: Madeleine Buddendick/Fotos: Lukas Besier und Alfred Fasshauer

Erinnerungen an meine Zeit als Messdiener 1945 bis 1951

Als 9-Jähriger kam ich im Juni 1945 mit meinen Eltern und meiner Schwester nach Magdeburg Südost. Außer einem Rucksack, den mein Vater trug, hatten wir nichts. Froh waren wir, dort in einer vom Krieg nicht zerstörten Werkswohnung eine Zweizimmerwohnung zugeteilt zu bekommen.

Schon bald gingen meine Eltern mit mir zu der dort unversehrten katholischen Pfarrkirche, um mich beim Pfarrer (er hieß Pfarrer Keine) als Messdiener an zu melden. Kein Problem. Zur Erstkommunion war ich schon gegangen, aber ich musste für die gesamte Messfeier sämtliche Gebete in lateinischer Sprache auswendig lernen.

Zuerst einmal bekam ich den Auftrag, an Sonn- und Feiertagen eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes die Kirchenglocke zu läuten. Das fand ich toll. Die Glocke wurde mit einem Seil in Bewegung gesetzt und ich ließ mich dabei rauf und herunterziehen. Dabei kam ich mir sehr wichtig vor, weil der Klang der Glocke weit zu hören war.

Nun also ging es um die Messfeier in lateinischer Sprache. Der Pfarrer, noch ein Messdiener und ich knieten uns vor den Stufen des Altares und begannen mit dem Stufengebet (auch Staffelgebet) im Wechsel zwischen Priester und Messdiener

Pfarrer:  “In nomine Patris et Filii, et Spiritus Sancti. Amen. Introibo ad Altare Dei.“

Messdiener: “Ad Deum , qui laetificat juventutem meam”

(Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Ich will hintreten zum Altare Gottes, zu Gott der mich erfreut von Jugend auf. –  Alles in allem ein sehr langer Text, der folgte)

Einmal in der Woche musste ich zum Messdienerunterricht in die Sakristei kommen. Für Pfarrer Keine war dies gleichzeitig Religionsunterricht. In der damaligen sowjetisch besetzten Ostzone hatte im Juni 1945 gerade die Schule wieder begonnen. Religion gab es  natürlich nicht. Wir mussten Russisch lernen, gezwungener Weise. Jeden Samstag ging ich mit meinem Vater auf Hamster-Tour außerhalb Magdeburgs, um etwas zum Essen bei Bauern zu ergattern.

Unser Pfarrer hatte einen großen Garten mit einem Kirschbaum. Noch ein Messdiener und ich kamen da auf die Idee – ohne den Pfarrer zu fragen – dort ein paar Kirschen zu pflücken, die wir sofort vertilgten. Beim späteren Religionsunterricht kam der Pfarrer auf das Thema „Kirchenraub“ zu sprechen. Das sei die größte Sünde, also eine Todsünde. Ich bekam einen Riesenschrecken. Eigentlich hätte ich dies beichten müssen, wollte ich aber nicht. Meinen Eltern habe ich dies auch nicht erzählt, ich hatte so ein schlechtes Gewissen. Irgendwann begriff ich, dass der Pfarrer nicht die Kirschen aus seinem Garten meinte, sondern den Raub in der Kirche… Ich war einfach mit meinen 9 Jahren noch naiv.

1947 verstarb unser Pfarrer Keine ganz plötzlich. Längere Zeit blieben wir ohne Pfarrer. Im Jahre 1989, kurz vor der Wiedervereinigung, kam ich noch einmal nach Magdeburg. Ich wollte sein Grab vor der damaligen Kirche besuchen. Es war verwüstet. Aber sein Bild und sein unerschütterlicher Glaube haben sich mir bis heute eingeprägt.

1948 siedelten wir, meine Eltern, Schwester und ich, nach Westdeutschland und fanden in Krefeld Uerdingen eine neue Heimat. Wir fanden eine kleine Wohnung im dortigen Pfarrhaus und zwar bei einem Oberpfarrer Firmenich. Die Bezeichnung Oberpfarrer hatte irgendwelche historischen Gründe. Ich war inzwischen 12 Jahre und irgendwie schaffte es meine Mutter, dass ich noch in das Uerdinger Gymnasium, die Sexta, aufgenommen wurde – und das ohne Aufnahmeprüfung. Es war Juni und die Schule hatte schon im April angefangen. Ich musste mich erst noch bewähren.

Daneben musste ich wieder, auf Geheiß von Oberpfarrer Firmenich, Messdiener werden; denn er hatte schon von meiner Vergangenheit gehört. Messdiener zu sein, ging aber nicht ohne gleichzeitig Pfadfinder zu sein und ich wurde Wölfling. Es gab viele Termine, aber ich musste sehen, wie ich mit der Schule klarkam. Es kam vor, dass ich mir von der Schule freinehmen musste, weil beim morgendlichen Gottesdienst kein Messdiener greifbar war. Während der Messfeier war es üblich, dass die Messdiener das schwere Messbuch von der einen Seite des Altares auf die andere Seite tragen mussten. Bei einer solchen Aktion unterschätzte ich die dabei auftretenden Zentrifugalkräfte. Dabei entglitt mir das schwere Buch aus den Händen und flog seitwärts die Altarstufen hinunter. Peinlich, peinlich! Zum Glück waren nicht viele Leute in der Kirche, aber der Oberpfarrer grummelte heftig auf mich herab. Ich brauchte seit diesem Vorfall nicht mehr bei ihm Messdieser sein und wurde hinfort nur noch an Feiertagen zur Verstärkung eingesetzt. So endete 1951 meine „Karriere“ als Messdiener  und ich konnte mich ganz auf meine Schule konzentrieren.

Dr. Ernst Binde