Vorstand der Stadtversammlung zur aktuellen Instruktion aus Rom

Hoffnung auf Reformen erschüttert

„Enttäuscht und besorgt“ haben sich die Mitglieder des Vorstandes der Stadtversammlung der Wiesbadener Katholiken zur jüngst veröffentlichten Instruktion der Kleruskongregation geäußert. Das Papier zementiere die bekannten Verbote und Machtverteilungen, heißt es in einer unter dem Titel “Reformen statt Rückschritt” veröffentlichten Stellungnahme. Die Vehemenz, mit der auf die untergeordnete Stellung nichtgeweihter Gläubiger hingewiesen werde, habe „unsere Hoffnung auf dringend notwendige Reformen in unserer Kirche und ihren Leitungsstrukturen stark erschüttert“. Zum Vorstand der Stadtversammlung gehören der Vorsitzende Peter-Felix Ruelius, seine Stellvertreterin Christina Kahlen-Pappas sowie Dr. Detlev Dietz und Andreas Gref.
Die überdeutliche Betonung der alleinigen Leitungsfunktion der Pfarrer stelle die „unermüdliche tagtägliche Arbeit so vieler Frauen und Männer, die Verantwortung in den Wiesbadener Pfarreien übernehmen, ins Abseits“. Viele in der Kirche engagierte Menschen könnten sich nunmehr enttäuscht und frustriert abwenden, befürchtet der Vorstand. Dass allein die Priester die Leitenden und die Laien die Gehorchenden seien, entspreche „weder dem Selbstverständnis der Menschen in unserer Stadt noch der Lebenswirklichkeit in unseren Pfarreien.“ Das in den Pfarreien gewachsene „Wir“ werde mit diesen „rückwärtsgewandten Handlungsanweisungen“ auf eine harte Probe gestellt.
Das Vorstands-Team setze sich dafür ein, dass der in Wiesbaden hoffnungsvoll beschrittene Weg des Miteinanders nicht mit der Instruktion aus Rom ende und vertraue auf den Mut aller Gläubigen, „die mit uns nach Reformen in unserer Kirche streben“, heißt es in der Stellungnahme. Dabei werde auch auf die gegenseitige Unterstützung aller Priester und des Bischofs gesetzt.
Die römische Instruktion über die Zukunft der Pfarrgemeinden war Ende Juli unter dem Titel “Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche” veröffentlicht worden.

Die Stadtversammlung ist die synodal gewählte Vertretung der rund 52.000 Katholiken in Wiesbaden. Aus den 23 Kirchorten der Wiesbadener Pfarreien St. Bonifatius, St. Birgid und St. Peter und Paul wird je ein Vertreter in die Stadtversammlung entsendet, außerdem sind die muttersprachlichen Gemeinden, katholische Verbände und Einrichtungen in dem Gremium vertreten.

Die Stellungnahme im Wortlaut: Wi_Stellungnahme des Vorstandes der Wiesbadener SV der Katholiken zur Instruktion aus Rom

Text: Barbara Reichwein (Bistum Limburg)