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Ökumenisches Sprachcafé

 

„Deutsch zu lernen, ist ganz leicht“, strahlt Yahia Alkhalaf. Er besucht seit drei Monaten das ökumenische Sprachcafé der katholischen Pfarrei St. Birgid und der evangelischen Kirchengemeinde Delkenheim und kann sich schon gut in der neuen Sprache verständigen. Anas Rezzou und Nuor Karakaji, ebenfalls syrische Flüchtlinge, lächeln über die Antwort. Sie haben zwar alles verstanden, sind aber noch nicht ganz so weit wie ihr Mitschüler. Doch alle drei haben das gleiche Ziel: Sie wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen, um sich danach eine Arbeit zu suchen.

„Ich habe mich gefragt, was machen die Leute, die hierher kommen und nichts zu tun haben?“, erzählt Initiatorin Martina Lotz vom Caritasausschuss der Pfarrei St. Birgid. Oft vergehen Monate, bis die lang ersehnte Aufenthaltsgenehmigung ausgestellt wird und auch dann gibt es noch Wartelisten für die städtischen Sprachkurse. Als sie in der eigenen und in der evangelischen Gemeinde ihre Idee von einem Sprachcafé in Delkenheim vorstellte, meldeten sich ganz viele Unterstützer. „Ich hatte vorher schon verschiedenen Vereinen und Institutionen meine Hilfe angeboten, aber nur von der Kirche habe ich eine Antwort erhalten“, sagt Thomas Wittich, pensionierter Journalist aus Sonnenberg. „Ich habe schon lange auf so eine Gelegenheit gewartet“, gibt Lehrerin Gertrud Istvan, Frau des evangelischen Pfarrers in Delkenheim, unumwunden zu. Sie hat eine Qualifikation Deutsch als Zweisprache zu unterrichten.

Das ökumenische Sprachcafé wird vom Sozialamt finanziell unterstützt. Zwar arbeiten alle Lehrer ehrenamtlich, doch die Lehrmittel stellt die Stadt. Derzeit besuchen acht Flüchtlinge dreimal in der Woche das ökumenische Sprachcafé. Vormittags wird im katholischen Gemeindezentrum St. Stephan gelernt, nachmittags im Gemeindehaus der Protestanten. Rund 15 ehrenamtliche Lehrer sind im Einsatz, eine Unterrichtseinheit dauert anderthalb Stunden. Die Organisation und Koordination liegt in den Händen von Martina Lotz, die auch den Kontakt zur Flüchtlingsunterbringung in Delkenheim hält.

Während Yahia Alkhalaf das Lernen leicht fällt, muss sich Mustafa Abdullah durchkämpfen. Er hat nie Lesen und Schreiben gelernt. Angela Cramer-Weil, seine Lehrerin, musste mit ihm bei null anfangen und lernt mit ihm eisern nach Lehrbuch. Besonders schwer auszusprechen seien die Umlaute und das P, erzählt Peter Öttl, der gemeinsam mit seiner Frau Hildegard im Sprachcafé unterrichtet.

Deutschland sei schön und die Flüchtlinge seien freundlich empfangen worden, sagen die Männer, die über Jordanien und den Libanon aus ihrer Heimat Syrien geflohen sind. Außerdem gebe es hier eine Chance auf Arbeit und die Hoffnung, dass Frauen und Kinder bald nachkommen.

Den Helfern im Sprachcafé geht es aber nicht nur darum, den Flüchtlingen Deutsch beizubringen. Sie möchten ihnen auch das Leben in Wiesbaden zeigen und sie aus der Isolation holen. So hat Angela Cramer-Weil einen Kontakt zum FV Delkenheim hergestellt. Jetzt spielen sechs Syrer bei den Altherren mit. Thoma Wittich wird demnächst eine Stadtführung anbieten und Peter Öttl und Martina Lotz waren mit einer Gruppe Flüchtlinge schon beim Heimspiel des Bundesligisten Mainz 05. Auch die Nachbarn an der Flüchtlingsunterbringung helfen, wenn Not am Mann ist.

Wenn Yahia Alkhalaf demnächst seine Aufenthaltsgenehmigung erhält, wird er schon ganz gut Deutsch sprechen und sich in Wiesbaden auskennen. Er ist dankbar, dass er in Delkenheim so herzlich aufgenommen wurde.

Text/Fotos: Anne Goerlich-Baumann

Pfarrer Kliegel zu Gast in St. Birgid

kliegel-bie-b10752Wer in diesen Tagen Pfarrer Peter Kliegel begegnet, hat allen Grund ihm zu gratulieren. Anfang Oktober bekam er das Bundesverdienstkreuz verliehen und am 1. November feiert er mit Familie und Freunden seinen 50. Weihetag in Dillenburg. Beglückwünschen sollte man den rührigen 78-Jährigen aber vor allem für sein Lebenswerk. In Chile hat er drei Jugenddörfer gegründet und aufgebaut. Daraus ist die Stiftung Cristo Joven entstanden. Zudem hat Kliegel ein Siedlungsprojekt für Familien betrieben sowie ein musisches Gymnasium gegründet. Und auch für das nächste Projekt sammelt der engagierte Geistliche schon eifrig Spenden: Pfarrer Kliegel möchte ein Musikinstitut für die Ausbildung von Musikpädagogen und Erziehern auf den Weg bringen, damit die Chilenen ihre Musik und damit einen wichtigen Teil ihrer Identität nicht verlieren.

Zurzeit ist Pfarrer Kliegel Gast der Pfarrei St. Birgid, in der er viele Gottesdienste feiert. In den zweieinhalb Monaten seines Aufenthaltes möchte er aber auch vielen Menschen „Danke“ sagen, für die oft jahrelange Unterstützung seiner Arbeit, und natürlich neue Spenden sammeln. Und dann sind da noch die fünf Geschwister hier in Deutschland, die ihm wichtig sind. Auch möchte er den Kontakt zur deutschen Kirche pflegen. Auf Einladung von Pfarrer Matthias Struth kam Kliegel zum ersten Mal nach Bierstadt, jetzt ist es schon der vierte Aufenthalt.

Gleich nach der Weihe 1967 stand für Kliegel fest: „Ich wollte weg!“ Der Bischof von Osorno im Süden Chiles, „dort wo das Festland aufhört“, lud den deutschen Theologen ein und der blieb – bis heute. Erst arbeitete Kliegel als Gemeindepfarrer, doch die Not in den Slums und die Chancenlosigkeit der Landjugend bewegten ihn 1976 mit Pater Vinzenz Gottschalk ein Jugenddorf für Jungen aufzubauen. Es folgten ein Dorf für Mädchen und eines für Studenten. Nach 25 Jahren in Chile gründete er die Stiftung Cristo Joven und konzentrierte sich ganz auf die Projekte, die ihm am Herzen lagen. „Als Gemeinschaft aus dem Glauben“ bezeichnet er den Siedlungsbau, den er mit Familien, die in Slums lebten, auf den Weg brachte. „Jeder musste mitarbeiten und zehn Prozent seines Einkommens abgeben. Obwohl alle einen unterschiedlichen Beitrag zahlten, bekamen alle das gleiche Haus“, berichtet Kliegel stolz. Ohne die finanzielle Hilfe aus Deutschland wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen, ebenso wenig wie die Gründung eines musischen Gymnasiums mit fast tausend Schülern. Die Musik, das Theater, der Tanz und die Malerei Lateinamerikas sind Unterrichtsinhalte in allen Fächern. Und jetzt also eine neue Stiftung, die „Fundaçion Creciente“. Finanziert werden soll ein Musikinstitut, in dem Musiklehrer und -erzieher ausgebildet werden. Auch hier geht es um den Erhalt der indigenen Kultur.

„Deutschland ist meine Heimat, doch zuhause bin ich in Chile“, erzählt Kliegel, der als Dank für sein Engagement von der Regierung die chilenische Staatsbürgerschaft erhalten hat. Er beobachtet wie sich in beiden Ländern die Gesellschaften verändern. Auf der Suche nach einem neuen Weg müssten die Menschen aufeinander zugehen und dann eine gemeinsame Welt aufbauen, fordert der Pfarrer.

Wer Pfarrer Kliegels Projekte unterstützen möchte, kann auf folgendes Konto Spenden überweisen: Peter Kliegel, Deutsche Bank Dillenburg, BIC: DEUTDEDB460, IBAN: DE47 4607 0024 0412 1679 00

Text/Foto: Anne Goerlich-Baumann

Bischofsbesuch aus Burkina Faso

Burkina Faso trifft Wiesbaden –  Auf Einladung der africa action um Pfarrer Werner Bardenhewer besucht am  Mittwoch, dem 8. März, Kardinal Philippe Ouedraogo aus Burkina Faso Wiesbaden. Um 18.00 Uhr wird der Kardinal den Gottesdienst in St. Bonifatius leiten, anschließend ist ein Empfang um 19.30 Uhr im Roncalli-Saal, zu dem Sie ganz herzlich eingeladen sind. Dies besonders, da unsere Pfarrei und der EINE-WELT-KREIS seit Jahren über MISEREOR ein Entwicklungsprojekt in Burkina Faso unterstützen. 

 

Namibia – das Gute fortführen

 

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afrika-godi-01-nor-b9164Lebendig und fröhlich, aber auch bewegend und berührend war der Afrika-Gottesdienst in der Kirche Christ König in Nordenstadt. Begleitet von lebhaften Trommelklängen zogen Pfarrer Frank Schindling und die Messdiener in die katholische Kirche ein, so dass gleich der Funke auf die zahlreichen Gottesdienstbesucher übersprang und diese schließlich gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern des Chors Jubilate Deo in das kongolesische Lied „Yesu azali awa“ (Jesus ist unter uns) einstimmten.

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afrika-godi-05-nor-b9164Die Teilnehmer der Jugendbegegnungsfahrt nach Namibia hatten zu dem besonderen Gottesdienst eingeladen, um ihre Erfahrungen und bewegenden Eindrücke mit der Gemeinde zu teilen. „Es waren die ärmsten der Armen, die uns so viel gegeben haben“, sagte Pfarrer Schindling, der an das afrikanische Sprichwort „Du kannst Afrika verlassen, aber Afrika verlässt dich nicht“ erinnerte. Angesichts der Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen in Namibia hätten die Jugendlichen oft nach Worten gerungen, nun wollten sie ihre Erlebnisse teilen und das, was mit der Fahrt seinen guten Anfang nahm, fortführen.

Von ihren Besuchen im Marienheim Hostel, in dem Waisenkinder leben, und in der Otjikondo School berichteten Annika, Paula, Alexander und Annika im Wechsel. Beide Einrichtungen wollen die Jugendlichen weiter unterstützen. Dazu wurden Bilder gezeigt. Und auch die Fürbitten, in denen unter anderem für ein offenes Miteinander der Religionen und die Bewahrung der Naturvölker gebetet wurde, verlasen die Jugendlichen selbst.

afrika-godi-04-nor-b9164Temperamentvoll endete der Gottesdienst. Unter der Leitung von Freddy Luzolo, Leiter des Elongui-Chors in Frankfurt, und der Begleitung von Ameth Seck an der Djembe und Roman Bär am Klavier trug der Chor „Umbaya my Lord“ vor.

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Die Verbundenheit zum Marienheim Hostel und zur Otjikondo-School, die durch den Besuch entstanden ist, soll erhalten bleiben, deshalb sammelten die Jugendlichen bei dem anschließenden Empfang eifrig Spenden für beide Projekte. Kalender mit Bildern von der Reise wurden für den guten Zweck verkauft, ebenso Souvenirs, die die Jugendlichen aus Afrika mitgebracht hatten. Auf Stellwänden wurde über die Projekte informiert und im großen Saal ein 50-Minuten-Film über die Fahrt gezeigt. Schnell ausverkauft waren die Bratwürste, die die Metzgerei Brauer nach einem afrikanischen Rezept von Pfarrer Schindling hergestellt hatte. Dazu gab es Steaks und eine vegetarische Suppe.

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afrika-godi-09-nor-b9164Wer mit dem Kauf eines Kalenders für zwölf Euro die Projekte unterstützen möchte, kann sich gerne an das Zentrale Pfarrbüro wenden.

Text/Fotos: GB